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Fiat Chrysler

Nicht nur Daimler stand in der zurückliegenden Woche im Fokus der Staatsanwälte. Auch der italienisch-amerikanische Autobauer muss sich derzeit unangenehmen Fragen von der amerikanischen Staatsanwaltschaft gefallen lassen. Während bei Daimler erst von einem Verdacht die Rede war, ist man in den USA in der Causa Fiat Chrysler einen Schritt weiter: Dort liegt bereits eine formelle Klage des Justizministeriums vor. Die Behörden werfen dem Autobauer vor, genauso wie VW eine illegale Software zur Abgaskontrolle in rund 100‘000 Diesel-Fahrzeugen eingebaut zu haben. Und genauso wie bei VW war es die Umweltbehörde EPA, die den Stein ins Rollen gebracht hat. Sie erklärte vor Monaten, dass die Drei-Liter-Diesel-Motoren von Fiat Chrysler auf der Strasse wesentlich mehr Stickoxid austossen als gesetzlich zulässig sei. Eine Studie hatte dem Konzern bereits nachgewiesen, dass eine Schummelsoftware im Diesel-Modell Fiat 500x zum Einsatz gekommen sei. Die US-Behörden werfen Fiat Chrysler nun vor, die Software beim Zulassungsverfahren nicht angemeldet zu haben. Es handle sich demnach um eine „betrügerische Einrichtung“, die im Labor für bessere Werte gesorgt habe. Da die Autos nicht die gesetzlichen Umweltauflagen erfüllten, müssten sie eigentlich aus dem Verkehr gezogen werden.
Aber nicht nur in den USA steht der Konzern am Pranger. Auch die Europäische Union hat Fiat Chrysler im Visier. So hat die EU-Kommission auf Antrag Deutschlands vergangene Woche ein Verfahren gegen Italien eingeleitet, damit die Regierung in Rom dem Autobauer etwas genauer auf die Finger schaut. Der grosse, starke Mann im Fiat Chrysler-Konzern, CEO Sergio Marchionne, wehrt sich mit aller Kraft gegen die Vorwürfe. Gemäss seinen Angaben könne die eingesetzte Software gar nicht erkennen, ob sich das Auto auf der Strasse oder im Labor befinde. Vielmehr sei es ein Schutzprogramm für den Motor und nicht mit der von VW eingesetzten Software zu vergleichen. „Wer uns mit der deutschen Gruppe vergleicht, hat etwas Illegales geraucht“, sagte Marchionne noch Anfang des Jahres. Wenn er da mal nicht den Mund zu voll genommen hat. Die Causa VW zeigt, mit welcher Härte die Behörden gegen nicht kooperationswillige Konzerne vorgehen.
Auch GM steht unter Beschuss
Auch für General Motors könnte es in den kommenden Monaten ungemütlich werden. Denn auch GM muss sich wegen möglicher Manipulation von Abgaswerten verantworten. Eigentümer von Pickup-Trucks mit Dieselmotor werfen dem Konzern vor, mit Hilfe illegaler Software Abgastests der Behörden getäuscht zu haben. Auch der amerikanische Marktführer soll in seinen Fahrzeugen sogenannte „Defeat Devices“ verbaut haben – Vorrichtungen zur bewussten Hintergehung der Behörden, um die Abgastests bestehen zu können. Betroffen seien 705‘000 Fahrzeuge der Modelljahre 2011 bis 2016. „Diese Anschuldigungen entbehren jeder Grundlage und wir werden uns energisch verteidigen“, teilte GM mit. Die Kanzlei Hagens Berman Sobol Shapiro LLP hat Klage am Bundesgericht in Detroit eingereicht. Wer den Diesel-Skandal in den vergangenen Monaten verfolgt hat, für den ist die Kanzlei keine Unbekannte. Sie vertrat die schon im Volkswagen-Dieselskandal geschädigten Kunden.
Konklusion:
Es scheint, als ob der Diesel-Abgas-Skandal jetzt erst richtig ins Rollen kommt und immer mehr Autobauer nach unten gezogen werden. Das verstärkt unsere ohnehin negative Brancheneinschätzung.