Die Diskussion über den Abbau der auf USD 4500 Milliarden aufgeblähten Notenbankbilanz ist innerhalb des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC) in vollem Gange. „Die Mitglieder hatten verschiedene Ansichten über den angemessenen Zeitpunkt einer Änderung der Reinvestitionspolitik“, ist im jüngsten Protokoll der FOMC-Sitzung vom 13. und 14. Juni festgehalten. Worum es geht: Das Fed hat in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise mit dem Ankauf von Wertpapieren (v.a. Anleihen) begonnen, um die amerikanische Wirtschaft zu stützen. Die Bilanzsumme des Fed stieg in den Jahren seit 2008 von USD 800 Milliarden auf mittlerweile USD 4500 Milliarden. Bis dato werden auslaufende Anleihen reinvestiert. Damit will das Fed aber auf absehbare Zeit brechen. Die Reinvestitionen sollen schrittweise zurückgefahren werden. Zum Start der Bilanzverkürzung will das Fed zunächst USD 6 Milliarden pro Monat weniger in den Kauf von Staatsanleihen reinvestieren. Im Fall verbriefter Hypotheken sind es USD 4 Milliarden weniger. In der Folge sollen diese Beträge alle drei Monate graduell erhöht werden. Am Schluss soll die Bilanz monatlich um USD 50 Milliarden verkleinert werden (USD 30 Milliarden bei Staatsanleihen und USD 20 Milliarden bei Hypotheken). Während ein Teil des FOMC den Markt als reif genug für den Bilanzabbau betrachtet und mit der Bilanz-Reduktion schon in den kommenden Monaten beginnen will, möchte die andere Front im FOMC noch einige Monate warten, um eine Entscheidung zu treffen. Aus drei einfachen Gründen erwarten wir, dass der FOMC eher später als früher mit der Reduktion der Bilanz beginnt. 1. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA waren unseres Erachtens durchwachsen. Zudem nimmt die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt ab. Mit einer Arbeitslosenquote von 4.3% im Juni (der tiefste Stand seit dem Jahr 2001) ist in den USA aber ohnehin die Vollbeschäftigung erreicht. Sollte das Fed in der Phase einer Konjunkturdelle die Geldversorgung beschneiden, könnte sich dies als Katalysator für einen verschärften wirtschaftlichen Abschwung erweisen. Daran ist dem FOMC nicht gelegen. 2. Fast ein Jahrzehnt hat das Fed den Markt mit ultrabilligem Geld versorgt. Entsprechend vorsichtig muss die Notenbank vorgehen, wenn sie den Markt nun davon wieder entwöhnen will. Wir gehen davon aus, dass zwischen Ankündigung und Umsetzung der jüngsten Taperingpläne mindestens ein halbes Jahr vergeht, um keine Schockwellen an den Märkten auszulösen. Entsprechend rechnen wir nicht vor Dezember 2017 mit dem Start der Bilanzreduktion. 3. Scheitert US-Präsident Trump mit seinen ehrgeizigen Konjunktur-, Deregulierungs- und Steuerprogrammen am politischen Widerstand, könnte die Notenbank gezwungen sein, die Versorgung mit ultralockerem Geld beizubehalten, um die Wirtschaft weiter zu stützen.
Konklusion:
Wir erwarten den Start der Bilanz-Reduktion des Fed frühestens ab Dezember 2017. Derzeit sprechen unseres Erachtens zu viele Gründe gegen einen zeitnahen Start des Abbauprogramms.