Man mag von der Fed-Chefin Janet Yellen halten, was man will – nicht aber, dass sie ihr Fähnchen mit dem Wind dreht. Bereits kurz nach der Wahl von Donald Trump hat sie klargestellt, dass das Fed ihren Weg ungeachtet der politischen Entwicklung weiter unabhängig gehen werde. Aus Sicht von Trump ein Affront gegen die neue Administration. Trump und seine Gefolgschaft überzogen die Fed-Chefin in den vergangenen Wochen immer wieder mit rechtspopulistischen Parolen, griffen die Wirtschaftspolitik unter Barack Obama an und jubelten, dass sich nun alles ändern werde – auch für das Fed. An ihrem jüngsten Pflichttermin vor dem US-Kongress liessen die Trump-Leute keinen Zweifel daran, was sie über das Fed und ihre Chefin halten. „Bürokraten in Washington, die nicht gewählt sind, können diktieren, wer in unserer Gesellschaft kreditfähig ist. Das muss geändert werden“, polterte der Republikaner Jeb Hensarling im Bankenausschuss. In eine ähnliche Kerbe schlug der Abgeordnete Andy Barr. Er malte das Bild einer amerikanischen Wirtschaft, die sich in einem Jammertal befinde – auch wegen des „Versagens der Zentralbank“. Um es politisch unkorrekt auszudrücken – das sind wirtschafts- und geldpolitische Fantastereien der Trump-Leute, die einzig zum Ziel haben, die letzten Überbleibsel der Obama-Administration zu diskreditieren. Denn Yellen und ihr Vorgänger Ben Bernanke haben die USA aus der schlimmsten Krise seit der grossen Depression geführt. Die Wirtschaft wächst seit Jahren, fast 16 Millionen neue Stellen wurden in den letzten Jahren geschaffen und Yellen hat relativ geräuschlos vollbracht, was ihr nur die wenigsten zugetraut hatten – die schrittweise Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik. Gegenwärtig lässt Yellen die Angriffe von Trump und seiner Gefolgschaft abprallen – mit ihrer ureigenen stoisch ruhigen Art kontert sie mit Sachargumenten und hält an ihrer Sicht der Dinge fest. So verwundert es nicht, dass das Fed wahrscheinlich an ihrer nächsten Zinssitzung den nächsten Schritt machen wird – sehr zum Unwillen von Trump, der sich seit Wochen über den starken Dollar lautstark ärgert. Und doch scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die Trump-Administration das Fed auf die Regierungslinie einschwört. Yellens Amtszeit endet 2018 und es ist höchst unwahrscheinlich, dass Trump sie nochmals nominieren wird. Er wird versuchen, einen linientreuen Vasallen zu inthronisieren. Wahrscheinlich wird Trump seinen Einfluss im Fed jedoch schon in den kommenden Wochen ausweiten. Denn drei der sieben Sitze im Board müssen neu besetzt werden. Es verwundert wenig, dass die Republikaner die Fed-Chefin dazu drängen, alle offenen Entscheidungen zu vertagen bis das Board wieder vollständig ist. Bis dahin habe die Fed jedwede Massnahmen, „die amerikanische Unternehmen belasten, zu unterlassen“, forderte Patrick McHenry, der Vizevorsitzende des Ausschusses.
Konklusion:
Trump will das Fed ganz aus dem Regulierungsgeschäft drängen, damit seine Deregulierungspläne für die US-Banken umgesetzt werden können. Noch leistet Yellen aber Widerstand.