Die Details des EZB-Kaufprogramms überraschen
Die EZB hat Details über die geplanten Käufe von Unternehmensanleihen preisgegeben. Wir sind positiv überrascht, dass die EZB ihre Auswahlkriterien viel weniger streng anlegt als wir erwartet hatten. Vor allem in zwei Punkten verblüfft uns die Strategie der europäischen Notenbanker. Erstens wird sie nach eigenen Angaben auch Anleihen von Unternehmen ausserhalb der Eurozone kaufen. Zweitens wird sie darüber hinaus auch Bonds erwerben, die von einigen Ratingagenturen nur mit einer schwachen Bonität attestiert werden. Ab Juni 2016 startet das ausgeweitete Anleihenkaufprogramm. Bisher hat die EZB noch keinen konkreten Starttermin genannt.
1. Unternehmen ausserhalb der Eurozone
Wir gingen davon aus, dass die EZB lediglich Anleihen von Unternehmen aus der Eurozone kauft. Doch die Zentralbank fasst das Anlegeruniversum wesentlich weiter. Denn der Konzernsitz darf nach Angaben der EZB durchaus ausserhalb der Eurozone liegen. Gekauft werden Anleihen solcher Unternehmen, die Töchter im Euro-Raum haben und hier auch wirtschaftlich relevant sind. Zudem müssen die Unternehmen zu den Firmen gehören, deren Kredite Banken als Sicherheit bei der EZB einreichen können. Damit kommen auch Bonds von Unternehmen wie Vodafone (GB), Rolls Royce (GB), Caterpillar (USA), GM (USA), GE (USA), Coca-Cola (USA), ABB (CH) oder Adecco (CH) in Frage. Selbst Anleihen russischer Multis wie Gazprom oder Lukoil kann die EZB erwerben.
2. Rating
Wir hatten erwartet, dass die EZB nur Anleihen mit einem soliden Investment-Grade-Rating kauft. Doch auch hier weicht die Zentralbank die Auswahlkriterien deutlich auf. Der EZB reicht es, wenn die Anleihe eines Unternehmens wenigstens von einer der Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s, Fitch oder der kanadischen DBRS ein Rating innerhalb des Investment-Grade für solide Schuldner hat. Das heisst, selbst Bonds, die von einer oder zwei Ratingagenturen unterhalb des Investment-Grades bewertet sind, kann die EZB kaufen, sofern eine andere Agentur die entsprechende Anleihe mit einem Investment-Grade-Rating ausstattet.
3. Weitere Überraschungen
Die EZB wir auch Anleihen von Versicherern kaufen, ausgeschlossen sind hingegen Bankanleihen – auch diesbezüglich hatten wir mit strengeren Kriterien gerechnet. Zudem dürfen Bonds von Unternehmen mit Banktöchtern (wie Daimler, BMW, VW) gekauft werden. Darüber hinaus setzt die EZB eine weite Laufzeitspanne der Anleihen an. Wir hatten mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren gerechnet. Doch die EZB kauft Papiere mit einer Laufzeit zwischen sechs Monaten und knapp 31 Jahren. Maximal kann sie an einer Anleihe 70% halten – auch das ist erstaunlich hoch.
Konklusion:
Das Kaufprogramm für Unternehmensanleihen wird ein substanzieller Bestandteil des EZB-Kaufprogramms. Durch die weichen Kriterien verdoppelt sich das mögliche Anlagevolumen auf EUR 860 Milliarden.