
2016 war für den Spezialchemiekonzern Evonik ein Jahr zum Vergessen. Der Preisverfall bei Zusatzstoffen für Tiernahrung drückte massiv auf die operative Entwicklung. Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn sackten ab auf EUR 12.6 Milliarden bzw. EUR 2.16 Milliarden. An der Börse ist das Vergangenheit – man blickt lieber in die Zukunft. Rund 9% hat die Evonik-Aktie seit dem Jahreswechsel zulegen und den starken Schlusspurt im Dezember 2016 (+8%) fortsetzen können. Grosse Hoffnungen ruhen dabei auf den Schultern von Christian Kullmann. Der Vize von Konzernchef Klaus Engel wird nach der Hauptversammlung am 23. Mai seinen Chef beerben und will den Konzern in eine neue Ära führen. Kullmann will Evonik zum „besten Spezialchemiekonzern der Welt“ machen. Den Grundstein dafür legte jedoch Engel, der Evonik seit acht Jahren führt. Er fokussierte den ursprünglichen Mischkonzern auf Chemie und brachte ihn 2013 an die Börse. Die Übernahme des Spezialchemiegeschäfts von Air Products für USD 3.8 Milliarden Mitte 2016 gilt als weiterer Meilenstein auf dem Weg zu neuen Ufern. Im laufenden Jahr soll das von Air Products (USA) übernommene Geschäft rund EUR 1 Milliarde zum Umsatz beisteuern und gut EUR 250 Millionen zum bereinigten Ebitda. Um das Amerikageschäft weiter zu forcieren, wurde zudem im Dezember das Silica-Geschäft des US-Konzerns „JM Huber“ für USD 630 Millionen gekauft. Mit dem Zukauf soll auch das Geschäft in Asien und Nordamerika ausgebaut werden. Zudem erhält Evonik Zugriff auf das Geschäft mit Stoffen für Zahnpasta, hier hat JM Huber eine führende Marktposition. Der künftige CEO hat beide Deals massgeblich mitgestaltet.
Kullmann, so heisst es auf dem Handelsparkett, wolle die internationale Ausrichtung von Evonik weiter forcieren – zum Beispiel durch mehr lokale Produktion in den Wachstumsregionen. Darüber hinaus wird erwartet, dass er auch eine neue Firmenkultur implementieren werde – die Organisation soll entschlackt und Entscheidungswege beschleunigt werden. Zudem stehen wohl weitere Akquisitionen an. Denn die Nettofinanzschulden sind trotz der Übernahmen kaum gestiegen und der Cashflow ist auf einem hohen, stabilen Niveau. Ohne weitere Übernahmen, so viel steht unseres Erachtens fest, sind die Ziele für 2018 eines Umsatzes in Höhe von EUR 18 Milliarden und eines Gewinns von EUR 3 Milliarden nicht zu erreichen. Wir begrüssen die breitere Aufstellung des Konzerns und erwarten bereits im Jahr 2017 – auch ohne weitere Zukäufe – eine deutliche Wachstumsbeschleunigung. Der Preisverfall bei Futtermittelzusätzen scheint gestoppt und die Nachfrage im Chemiesegment scheint zu steigen. Die guten Aussichten spiegeln sich derzeit nur unzureichend im Aktienkurs wider.
Konklusion:
Die Aktie von Evonik erscheint uns sehr attraktiv gepreist. Wir empfehlen, die Aktie mit einem mittel- bis langfristigen Kursziel von EUR 42 zu kaufen.