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Europäische Airlines sind auf der Sinnsuche

Handlungsdruck auf Lufthansa, IAG und AirFrance ist gross
Die Fliegerei sei noch nie ein nachhaltig rentables Geschäft gewesen. Dies sagte uns ein Luftfahrtexperte vor einigen Monaten während eines Hintergrundgesprächs. Wenn man die Geschäftszahlen der grossen europäischen Airlines Lufthansa, AirFrance-KLM und IAG (British Airways und Iberia) durchleuchtet, haben die Konzerne 2016 trotz allen Widrigkeiten einen guten Lauf gehabt. Die deutsche Kranich-Airline konnte 2016 beispielsweise mit einem Rekordgewinn abschliessen. Allen gemeinsam ist, dass sie recht verhalten ins laufende Jahr blicken. Die Lufthansa erwartet für 2017 ein Betriebsergebnis unter dem Wert des Vorjahres. AirFrance-KLM gab überhaupt keinen Ausblick und die IAG stellte nur ein kleines Plus beim operativen Ergebnis in Aussicht. Die Zurückhaltung der Airlines hat Gründe. Geopolitische Risiken, Terrorismus oder die Gefahr von Pandemien sind für die Fluggesellschaften Alltag. Wirklich belastend ist aber der sich mehr und mehr verschärfende Wettbewerb, der zu weiter sinkenden Ticketpreisen führen wird – so sehen es zumindest die grossen europäischen Airlines unisono. Dabei werden die europäischen Traditionsunternehmen gleich von zwei Seiten angegriffen. Einerseits wächst auf der Kurz- und Mittelstrecke die Konkurrenz durch Billigflieger. Diese erhöhen nicht nur ihre Kapazitäten, sondern drängen vermehrt an die klassischen Grossflughäfen wie Frankfurt oder Zürich und zielen nicht mehr nur auf „Dorfflughäfen“. Hier spielt auch der Brexit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Denn da bis dato niemand weiss, wie sich der Brexit auf die europäischen Flugrechte auswirkt, gehen die Billigflieger in die Offensive, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Die grossen, etablierten Airlines rechnen daher mit weiter sinkenden Ticketpreisen auf der Kurz- und Mittelstrecke, die durch massive Kostensenkungen kompensiert werden sollen. Allerdings, so zumindest warnte jüngst Lufthansa-Chef Carsten Spoehr, werden diese Massnahmen nicht ausreichen, um den Preisverfall zu kompensieren. Kommt hinzu, dass die Kerosinpreise angesichts des steigenden Ölpreises anziehen werden. An der zweiten Front kämpfen die europäischen Airlines mit der starken Konkurrenz aus der arabischen und der asiatischen Welt. Sie haben mit ihren Mega-Drehkreuzen in der Wüste vor allem für Reisende aus Fernost ein sehr attraktives Konzept geschaffen, welches durch Lufthansa, IAG oder AirFrance-KLM nur schwer geknackt werden kann. Dass die Lufthansa mittlerweile mit einer ihren ärgsten Konkurrentinnen, der Etihad Airways, via eines Codesharing-Programms zusammenspannt, zeigt, wie gross der Handlungsdruck ist. Seit Januar werden Flüge mit Flugnummern beider Airlines versehen. Zudem konnte die Lufthansa ihre Konkurrentin als neuen Kunden für die Flugzeugtechnik und das Catering gewinnen. Die beiden Airlines prüfen derzeit weitere Kooperationen in diversen Bereichen.
Konklusion:
Der Umbruch in der Flugbranche wird 2017 weiter an Tempo gewinnen, was vor allem die europäischen Player zum Handeln zwingt. Die Lufthansa macht vor, wohin die Reise geht.