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Europa

Die Politik schickt die Türkei in eine bedrohliche Lage
Die Türkei hat in den zurückliegenden Monaten vor allem auf politischer Ebene in Europa keine Glanzpunkte setzen können. Im Gegenteil: Das politische Verhältnis zwischen der EU und der Türkei ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nicht weniger furchterregend als die politische ist auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den zurückliegenden Monaten. Denn während das Land am Bosporus bis Anfang 2016 noch „the place to be“ war, rücken immer mehr Investoren von einem Engagement ab. Gemäss der deutschen Handelskammer bewertet der deutsche Mittelstand die Bedingungen für Geschäfte in der Türkei als weltweit am schlechtesten. Das Interesse deutscher Firmen, die sich bei den Handelskammern melden, um Geschäfte in der Türkei anzubahnen, habe sich 2016 halbiert, heisst es bei der Handelskammer. Eine Entwicklung, die sich auch an den Einschätzungen der grossen drei Ratingagenturen ablesen lässt. Sie bewerten türkische Staatsanleihen unisono als „Ramsch“. Kein Wunder sind die ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei nach Angaben des türkischen Wirtschaftsministeriums vergangenes Jahr um 31% regelrecht implodiert. Zugleich sackte die türkische Lira infolge der steigenden Verunsicherung massiv ab, wodurch die Inflation auf über 8% angesprungen ist. Es verwundert daher wenig, dass sich das Wirtschaftswachstum deutlich abflacht. Wuchs das Land selbst nach der Finanzkrise noch um 9% im Jahr 2010, erwartet die Weltbank für das laufende Jahr nur noch ein Plus von 2.7%. Dies mag in europäischen Ohren zwar nach viel klingen, für ein Schwellenland ist es jedoch definitiv zu wenig. Bereits warnen die Analysten der Commerzbank, dass die türkische Wirtschaft Gefahr laufe zu kollabieren. Auch von der in den zurückliegenden Jahren so wichtigen Tourismusindustrie, die immerhin rund 13% der türkischen Wirtschaft ausmacht, dürften keine neuen Wachstumsimpulse kommen. Im Gegenteil sogar: Nachdem die Tourismuseinnahmen des Landes 2016 infolge von Terroranschlägen und dem Putschversuch bereits um gut 30% eingebrochen sind, dürften die politischen Entwicklungen und Reisewarnungen westlicher Staaten für weitere Einbussen im laufenden Jahr sorgen. Die wirtschaftliche Talfahrt hinterlässt auch auf dem Arbeitsmarkt Bremsspuren. Die Arbeitslosenquote ist von unter 8% im Jahr 2013 auf mittlerweile fast 13% gestiegen, wobei sich vor allem die Lage der 15- bis 24-Jährigen verschlechtert hat. Jeder vierte von ihnen hat keine Arbeit. Das sind schon fast griechische Verhältnisse. „Die Arbeitslosigkeit ist eines unserer grössten Probleme“, musste Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci jüngst einräumen.
Konklusion:
Die Türkei wandelt wirtschaftlich auf einem schmalen Grat – es droht unseres Erachtens der Absturz. Anleger sollten einen grossen Bogen um das Land machen.