
Für die Aktionäre des Zentralschweizer Milchverarbeiters war das Kalenderjahr 2017 eine Achterbahnfahrt. Bis etwa zur Mitte des Jahres haussierte der Titel stark und notierte fast 25% im Plus. Danach folgte eine Baisse, die den Aktienkurs bis Anfang November wieder auf den Stand zur Jahreswende 2016/17 zurückwarf. „Stabile Erträge, aber enttäuschende Umsatzzahlen.“ Dieser Satz von CEO Urs Riedener bei der Präsentation der Halbjahreszahlen prägte die zweite Jahreshälfte 2017. Vor allem der stagnierende Milchpreis sowie die rückläufigen Erlöse auf dem Schweizer Heimatmarkt, der immerhin 53% des Gesamtumsatzes ausmacht, drückten auf die Stimmung und zwangen den Konzern, seine Jahresprognosen für 2017 herabzusetzen. Ein organisches Wachstum von 1% bis 2% und eine Umsatzrendite zwischen 4.0% bis 4.5% wurden damals neu in Aussicht gestellt. Dies sind vorsichtig kalkulierte Ziele, die der Konzern erreicht haben sollte.
Eine Wende zeichnet sich ab
Emmi hat in den vergangenen gut zehn Jahren seine Anleger mit einem stabilen Ertragswachstum von jährlich gut 10% verwöhnt, während der Umsatz gut 3.4% pro Jahr stieg. Wir gehen davon aus, dass der Milchverarbeiter in den vergangenen Monaten die richtigen Schritte unternommen hat, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Eine Sichtweise, die sich anscheinend auch unter Investoren breitmacht. Seit dem Tief im November 2017 zieht der Titel wieder an und liefert zugleich neue Kaufargumente. Im Vordergrund stehen u.E. die Portfoliobereinigungen, die der Konzern in den zurückliegenden Monaten vorgenommen hat. Konsequent hat sich Emmi von Beteiligungen getrennt oder geschäftliche Initiativen gebodigt. Im September 2017 schloss Emmi beispielsweise die zwei im Jahr 2016 eröffneten Joghurtbars (YoBar) wegen deren Erfolglosigkeit. Zudem trennten sich die Zentralschweizer von der wenig gewinnbringenden Beteiligung am italienischen Mozzarellahersteller Venchiaredo. Zugleich expandierte Emmi in Regionen, die künftig Wachstum versprechen. Dabei stand neben den USA zuletzt Lateinamerika weit oben auf der Agenda. So hat Emmi 40% an einem brasilianischen Milchverarbeiter übernommen und sich die Mehrheitsbeteiligung am mexikanischen Käseimporteur Mexdeli 2000 Holding gesichert. Unter dem Strich ist Emmi eine regelrechte Cash-Maschine, die aufgrund der jüngst gesehenen Expansionsmassnahmen auch organisch wieder stärker wachsen sollte. Für langfristig orientierte Anleger ist die Aktie aus unserer Sicht wieder kaufenswert, auch wenn die Aktie mit einem KGV 2019 von 22 sportlich bewertet ist.
Konklusion:
Emmi hat die Weichen für ein wieder stärkeres Wachstum gestellt. Die Portfoliobereinigungen der letzten Monate sind ein starkes Kaufargument für die Aktie.