Die Marktstrategen der grossen Wall-Street-Banken blicken verhalten optimistisch ins neue Anlagejahr. Im Schnitt erwarten sie, dass der S&P500 im laufenden Jahr bis auf etwa 2‘400 Punkten steigen könnte, was einem Plus von gut 5% entsprechen würde. Damit würde sich die gute Entwicklung des Jahres 2016 – wenn auch weniger dynamisch – fortsetzen. Das vergangene Jahr schloss der marktbreite Index mit einem Plus von fast 11% ab. Allerdings erscheint uns diese Prognose zu optimistisch. Einerseits gehen wir davon aus, dass der neue US-Präsident seine ambitionierten Pläne nicht ohne Gegenwehr in den eigenen Reihen durchsetzen kann und letztlich Abstriche bei der Umsetzung machen muss. Vor allem punkto Steuersenkungen und den anvisierten staatlichen Investitionen in die amerikanische Infrastruktur wird Trump wesentlich kleinere Brötchen backen müssen als bisher in Aussicht gestellt. Denn eine Umsetzung der Pläne wäre mit einer abermaligen schnelleren Verschuldung der USA verbunden, was politisch nur schwer durchzusetzen sein dürfte. Entsprechend erscheint uns auch der in Aussicht gestellte Anstieg der Unternehmensgewinne von durchschnittlich 7% als etwas zu hoch gegriffen. Denn dieser spiegelt die verbesserten Gewinnaussichten für Energieunternehmen – die in den vergangenen Jahren massiv unter dem Ölpreisverfall litten – als auch die erwarteten Steuersenkungen wider. Da wir punkto Steuersenkungen eher pessimistisch sind, erwarten wir, dass die Gewinne im Schnitt nur zwischen 3% bis 5% steigen werden, wobei das Bild vor allem durch eine Erholung bei Energieunternehmen geprägt sein dürfte. Allerdings haben Anleger bereits im zurückliegenden Jahr die Wende auf den Energiemärkten antizipiert – der Sektor zog 2016 gut 26% an, womit das weitere Potenzial beschränkt erscheint. Bezogen auf den Gesamtmarkt erwarten wir für das laufende Jahr ebenfalls eine weniger dynamische Entwicklung als die Auguren der Wall-Street-Banken. Unseres Erachtens wurden in den Wochen nach den US-Präsidentschaftswahlen die möglichen Positiveffekte des anstehenden Präsidentenwechsels vollumfänglich eingepreist, wodurch das Aufwertungspotenzial 2017 begrenzt ist. Wir gehen bestenfalls von einem Plus im S&P500 von 2% aus, was vor allem im Vergleich zum Aufholpotenzial in Europa mickrig erscheint. Chancen orten wir hingegen noch im amerikanischen Finanzsektor. Die Aussicht auf steigende Zinsen und eine Lockerung der Finanzmarktregulierung könnten in der Branche neue Kräfte entfesseln und die Gewinnentwicklung mittel- bis langfristig deutlich beschleunigen.
Konklusion:
Wir halten an unserer „Untergewichtung“ amerikanischer Aktien fest und empfehlen, in Aktien aus dem Euro-Raum und der Schweiz zu investieren.