
Die turbulente Übernahme der Tessiner BSI scheint EFG International mittlerweile verdaut zu haben. Der jüngst vorgelegte Quartalsausweis war ansprechend. Vor allem konnte der Kundengeldabfluss gestoppt werden und netto sogar neue Gelder gewonnen werden. Die BSI war in dem sog. 1MDB-Skandal in Singapur verwickelt, was zu markanten Kapitalabflüssen geführt hatte. Auch in Italien konnte eine Baustelle geschlossen werden. EFG gelang es einen dortigen Steuerfall abzuschliessen, ohne dass die Mailänder Niederlassung geschlossen werden musste. Damit steht EFG die finale Phase der BSI-Übernahme bevor: Die Migration der BSI-Kunden auf die IT-Plattform von EFG, wodurch sich die erhofften Synergieeffekte in Höhe von CHF 240 Millionen erfüllen sollten. Nachdem EFG die Turbulenzen durch die BSI-Übernahme gemeistert hat, stellt sich die Frage, wie EFG künftig wieder Wachstum generieren will. Denn die Fixkosten für einen internationalen Vermögensverwalter sind aufgrund der hohen Regulierungsdichte und der Compliance sehr hoch – Wachstum ist demnach ein absolutes Muss, um mittel- bis langfristig zu überleben. EFG nannte immer wieder die Regionen Asien und Lateinamerika als potenzielle Wachstumsfelder. Nur so wirklich scheint das Unternehmen dort noch nicht angekommen zu sein. Gerade einmal 15% der Kundengelder stammen aus Asien, aus Lateinamerika sind es sogar nur 12%. Um das Wachstumspotenzial dieser beiden Regionen abschöpfen zu können, dürfte die EFG auf regional stark vernetzte Banker setzen, die vor allem über ein grosses Kunden-Netzwerk verfügen. In der Region „Americas“ hat EFG diesen Schritt bereits eingeleitet und im vergangenen Jahr Marcelo Coscarelli von der Citigroup ins Boot geholt. Er soll den gegenwärtigen Bestand an Kundengeldern aus dieser Region (CHF 17.1 Milliarden) deutlich ausbauen. Für die Region Asien könnte der Umbau des regionalen Top-Managements nun anstehen, wie auf dem Börsenparkett spekuliert wird. Demnach könnte Albert Chiu, der seit 17 Jahren die EFG-Geschäfte in Asien leitet, einem asiatischen Banker mit einem weitreichenden Kunden-Netzwerk Platz machen. Ein gutes regionales Top-Management ist für EFG zudem von entscheidender Wichtigkeit, weil im Top-Management der Gruppe zum Jahreswechsel wichtige Personalrochaden anstehen. CEO Joachim Strähle verlässt EFG. An seine Stelle rückt Giorgio Pradelli, der sich mit der Restrukturierung der griechischen EFG einen Namen machte. Zudem soll John Williamson zum neuen VR-Präsidenten gekürt werden, der sich seine Sporen als COO bei der britischen Coutts Bank verdiente. Was beiden fehlt, ist ein Netzwerk an Private-Bankern. Entsprechend kommt den Regionalchefs bei der Rekrutierung von erfolgreichen Private Bankern eine bedeutende Rolle zu.
Konklusion:
EFG steht nach dem Abschluss der turbulenten BSI-Übernahme vor der Aufgabe, verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Risikofreudige Anleger wetten auf einen Erfolg.