Wir revidieren unsere Prognosen für CHF/USD und EUR/CHF
Am Freitag der vorangegangenen Woche war eine äusserst bemerkenswerte Bewegung am Devisenmarkt zu beobachten: Binnen weniger Handelsminuten sackte das EUR/CHF-Währungspaar um einen halben Rappen ab. Kostete ein Euro um 10:30 Uhr noch CHF 1.0863, kostete er eine halbe Stunde später bereits 1.0921. Auch gegenüber dem US-Dollar sackte der Franken urplötzlich ab. Während unerfahrene Anleger die Kursbewegung auf den ersten Blick noch als normale Kursschwankung abtun könnten, dürften zahlreiche professionelle Anleger zumindest die Augenbraue in die Höhe gezogen haben. Denn solch markanten Kursbewegungen sind selten. Natürlich, am Tag nach Thanksgiving waren viele US-Investoren im verlängerten Wochenende – entsprechend war an den Devisenmärkten wenig los, wodurch schon kleineren Summen ausreichten, um grössere Kursbewegungen auszulösen. Aus unserer Sicht könnte jedoch auch die Schweizerische Nationalbank hinter dem plötzlichen Taucher des Franken stecken. Nur zwei Tage vorher hatte SNB-Chef Thomas Jordan seine Sichtweise auf den Franken verdeutlicht: „Der Franken bleibt insgesamt deutlich überbewertet. Unsere Geldpolitik ist klar. Sie basiert auf zwei Säulen: den Negativzinsen und der Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.“ Ein Hinweis darauf, dass die Schweizerische Notenbank mit grösster Sorge in Richtung der Europäischen Zentralbank schauen dürfte. Denn der Euro könnte vor einer beschleunigten Abwertung stehen. Am Donnerstag (03.12. nach Redaktionsschluss) entscheidet die EZB, ob sie noch mehr Euros in den Markt pumpt, indem sie noch mehr Staatsanleihen kauft – auch in der Hoffnung, dass durch die zunehmende Menge an Euros der Euro an Wert verliert. Konnte sich das Währungspaar EUR/CHF in den vergangenen Wochen vergleichsweise stabil halten, könnte eine Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms durch die EZB den Abwertungsdruck auf den Euro nochmals deutlich erhöhen – auch gegenüber dem Franken. Entsprechend dürfte die SNB jede Gelegenheit nutzen, um den Franken im Vorfeld der EZB-Sitzung zu schwächen. Wir hatten zur Jahresmitte für EUR/CHF ein mittelfristiges Zielband von 1.10 bis 1.15 bis Jahresende ausgegeben. Angesichts der Entwicklung in den letzten Wochen müssen wird dieses nun revidieren. Sollte die EZB das europäische Quantitative Easing ausweiten, dürfte der Franken nochmals kräftig aufwerten. Für diesen Fall setzen wir unser mittelfristiges EUR/CHF-Zielband (drei bis sechs Monate) neu an auf 1.03 bis 1.08. Eine gegensätzliche Entwicklung erwarten wir bei USD/CHF. Sollte das Fed die erwartete Zinserhöhung Mitte Dezember durchdrücken, dürfte das Währungspaar kurzfristig auf über 1.05 steigen (bisher: bis 1.05). Sollte das Fed zudem einen Zinserhöhungszyklus einläuten, könnte CHF/USD mittelfristig in Richtung 1.10 tendieren.
Konklusion:
Die SNB dürfte mit grosser Sorge auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank blicken. Der Aufwertungsdruck auf den Franken dürfte deutlich steigen.