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Die SIX will endlich zusammenwachsen

In der Pfingstweidstrasse, am Hauptsitz der Schweizer Finanzdienstleistungsgesellschaft SIX Group, wird mit Hochdruck an der Zukunft gearbeitet. Rund zehn Jahre nachdem sich die Börse SWX, die Transaktionsabwicklerin SIS und der Datendienstleister Telekurs zur SIX Group zusammengeschlossen hatten, soll die Integration der einzelnen Geschäftsteile nun auf die nächste Ebene gehievt werden. Schluss mit dem Silodenken, welches in den letzten Jahren geherrscht hatte. Den dafür notwendigen Schwung soll ein Mann von Aussen bringen. Für den scheidenden CEO Urs Rüegsegger übernimmt der Niederländer Jos Dijsselhof ab Januar 2018 das Ruder beim Unternehmen, das massgebliche Teile der Schweizer Finanzinfrastruktur betreibt. Dijsselhof war zuletzt Chief Operating Officer und interimistischer CEO der Euronext in Amsterdam und begleitete nach Angaben zahlreiche Change-Projekte. Vorderhand erscheinen die angekündig-ten Änderungen bei der SIX Group lediglich formaler Natur zu sein. Aus den vier bisherigen Divisionen werden vier Geschäftsbereiche. Im Bereich „Wertschriften“ werden künftig die Aktivitäten der Divisionen Börse und Post Trading zusammengefasst. Das „Datengeschäft“ bleibt am intaktesten und soll ausgebaut werden. In der neu geschaffenen Sparte „Innovation und Netzwerk“ sollen in Zukunft alle Entwicklungsabtteiligungen der unterschiedlichen Divisionen zusammengefasst werden, die vor allem Produkte und Dienstleistungen für Banken entwickeln soll. Die alte Division Zahlungsverkehr heisst neu „Schweizer Zahlungsverkehr“. Sie umfasst die Abwicklung des Zahlungsverkehrs unter den Banken und von Schweizer Kartenzahlungen sowie die Abteilung Mobile Payment. Das sog. Händlergeschäft (Merchant Business), welches z.B. Kartenterminals an der Ladenkasse und die Verarbeitung dieser Kartenzahlungen im Ausland umfasst, wird abgespalten und soll mit einem grösseren europäischen Partner verschmolzen werden. Das Geschäft macht etwa ein Viertel des bisherigen Unternehmens aus. Den rund 130 Anteilseignern der SIX Group – allen voran den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse – dürfte der Strategiewechsel gefallen. Als das Gemeinschaftsunternehmen SIX vor zehn Jahren startete, war die grosse Hoffnung, dass die Gruppe vor allem standardisierte Hintergrundprozesse der Schweizer Banken übernehmen werde – was bisher jedoch nur ansatzweise gelang. Doch die SIX Group hätte durchaus das Potenzial dazu. Beim Betrieb von Bankomaten, bei der Datenlieferung im automatischen Informationsaustausch, Meldepflichten unter Mifid-II und Steuer-Reporting von US-Kunden oder im Bereich Security könnte die SIX den Banken unter die Arme greifen. Der neue CEO steht vor einem Mammutprojekt, das jedoch notwendig ist, wenn die SIX langfristig überleben will. Er muss aus einem trägen und langsamen Finanzdienstleister ein agiles und innovatives Unternehmen formen.
Konklusion:
„Back to the roots“ könnte das Motto des Strategiewechsels bei der SIX lauten. Schluss mit Silodenken und internationalen Expansionsgelüsten. Wir sind gespannt, ob dem neuen CEO der Wandel gelingt.