
Die Furcht vor dem Austritt nach dem Austritt
Die Furcht vor einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union (Abstimmung am 23. Juni) ist in der vergangenen Berichtswoche mit voller Wucht in das Bewusstsein der Anleger gerückt. Dabei ist es weniger die Abstimmung an sich, die derzeit so grosse Verunsicherung unter den Marktteilnehmern verursacht – denn selbst wenn die Briten für einen Austritt stimmen, wird sich so schnell nichts am Verhältnis zwischen der EU und GB ändern. Zunächst dürften jahrelange Verhandlungen über das künftige Miteinander anstehen. Es ist vielmehr die Angst davor, welche Signalwirkung die Abstimmung auf andere austrittswillige Länder der EU haben könnte. Einige Marktbeobachter sehen im Fall eines britischen „Ja“ den Anfang vom Ende der Europäischen Union heraufziehen. Und selbst die Zukunft des Königreichs wäre im Falle eines EU-Austritts mit grossen Unsicherheiten verbunden. Denn dann könnte in britischen Landesteilen – wie beispielsweise Schottland – die Unabhängigkeitsbewegung deutlich an Schwung gewinnen, was zu einer Abspaltung von GB führen könnte. An den europäischen Börsen ist angesichts dessen die Risikoaversion in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Der Eurostoxx50 notiert gegenwärtig auf dem tiefsten Stand seit Ende Februar, und weitere Kursrückgänge sind nicht auszuschliessen. Sowohl der MACD- als auch der Stochastik-Indikator haben in den vergangenen zwei Wochen deutliche Verkaufssignale ausgebildet. Bedenklich ist, dass die Handelsvolumen an den zurückliegenden schlechten Tagen deutlich in die Höhe gegangen sind – dies deutet darauf hin, dass Anleger derzeit mit dem Schlimmsten rechnen. Wir gehen davon aus, dass die europäischen Aktienmärkte in den kommenden Tagen unter Druck bleiben – im schlechtesten Fall (wenn die Umfragen in GB weiter auf einen Austritt des Landes hindeuten) könnte der Eurostoxx 50 bis auf das Februartief unter 2‘700 Punkten abrutschen.
Konklusion:
Lange wurden die Konsequenzen eines Brexit am Markt ignoriert. Doch je näher der Wahltermin in GB rückt (23. Juni), desto grösser wird die Nervosität. Wir rechnen mit weiter sinkenden Notierungen.