Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, das laufende Wertpapierkaufprogramm stärker als von den Marktteilnehmern erwartet auszuweiten, haben die Aktienmärkte in der Eurozone gleich zwei Gänge nach oben geschaltet. Binnen weniger Handelstage hat der Euro Stoxx50 fast 190 Punkte gewonnen und zugleich die Marke von 3‘200 Punkten ins Visier genommen. So hoch notierte das europäische Aktienbarometer zuletzt im Januar dieses Jahres. Die Verluste, die der Euro Stoxx50 bis Mitte des Jahres einstecken musste – Ende Juni notierte der Index fast 18% unter dem Niveau zu Jahresanfang – sind mittlerweile fast wettgemacht. Lediglich ein Minus von rund 2% schlägt derzeit zu Buche. Aus charttechnischer Sicht könnte nach der starken Kursrallye in den letzten Tagen eine kleinere Korrektur anstehen. Der Index ist zuletzt über das obere Bollinger-Band hinausgeschossen, was eine anstehende Konsolidierung wahrscheinlich macht. Diese dürfte jedoch nur von kurzer Dauer und weniger ausgeprägt sein. Einerseits deuten die jüngsten Konjunkturdaten darauf hin, dass die Weltwirtschaft 2017 wieder etwas an Dynamik gewinnt. Andererseits scheinen die Anleger nach dem börsentechnischen Horrorjahr 2016 wieder Mut zu fassen. Die Handelsvolumen sind nach der EZB-Entscheidung deutlich in die Höhe gesprungen, was ein Hinweis darauf ist, dass die Anleger quasi nach Gründen suchen, um wieder breit in den Markt zu investieren. Sollte die amerikanische Notenbank an ihrer letzten turnusmässigen Zinssitzung in diesem Jahr (nach Redaktionsschluss) keine Hinweise darauf geben, dass sie den Leitzins im Jahr 2017 deutlich schneller anhebt als bisher erwartet wird, dürfte sich die gute Stimmung unter den Marktteilnehmer festigen und die Aktienkurse bis zum Jahreswechsel weiter steigen. Insgesamt scheint die seit April 2015 anhaltende Baisse mittlerweile überwunden – zwischen Mitte April 2015 bis Ende Juni 2016 verlor der Euro Stoxx50 fast 30% an Wert. Nach einer Seitwärtsbewegung zwischen August bis Ende November scheint die Risikolust der Anleger endlich wieder zu steigen. Wir sind für das kommende Jahr verhalten optimistisch gestimmt und rechnen mit einer soliden Performance von europäischen Aktien. Allerdings dürften vor allem die Wahlen in Deutschland und Frankreich sowie mögliche Neuwahlen in Italien immer wieder für Unsicherheiten sorgen.
Konklusion:
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen hellen sich auf und die Risikolust der Anleger scheint wieder zu steigen. Wenn sich das Fed nicht als Spielverderber erweist, dürfte es weiter bergauf gehen.