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Jahr 2022

Deutsche Post

An der Hauptversammlung Ende April hatte Post-Chef Frank Appel die Aktionäre noch auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr eingeschworen. Die Geschäfte laufen planmässig, die Jahresziele 2018 sollten erreicht werden. Etwas mehr als einen Monat später die überraschende Kehrtwende, die im Aktienkurs eine tiefe Bremsspur hinterlassen hat. Die Sparte „Post – eCommerce – Parcel“ werde nur noch ein operatives Betriebsergebnis von EUR 1.1 Milliarden einfahren können. Das ursprünglich angepeilte Ebit von EUR 1.5 Milliarden ist nicht mehr zu erreichen. Auf Konzernebene wurde die operative Gewinnprognose von EUR 4.15 Milliarden auf neu EUR 3.2 Milliarden zusammengestrichen. Der Konzern muss mit der Gewinnwarnung eingestehen, dass der Paket-Handel durch den Boom im Online-Handel zwar floriert. Die Deutsche Post hat in den zurückliegenden Jahren jedoch verpasst, die Kostenstruktur an den Erfolg anzupassen. Die Kosten laufen zunehmend aus dem Ruder. Dies dürfte auch der Grund sein, weswegen CEO Frank Appel vor wenigen Wochen die Geschäfte von Paket-Chef Jürgen Gerdes persönlich übernommen hatte. Der Konzern kündigte Umbaumassnahmen an, um die Kosten zu senken, was kurz- bis mittelfristig weitere Aufwendungen bringen wird. Die Post hat, wie der CEO im Rahmen einer Telefonkonferenz eingestehen musste, in den vergangenen Jahren zu wenig in die Weiterentwicklung des operativen Geschäfts investiert. Das angekündigte Restukturierungsprogramm sieht Investitionen von EUR 100 Millionen bis EUR 150 Millionen vor, um jährliche Einsparungen in Höhe von EUR 150 Millionen bis EUR 200 Millionen erzielen zu können. Zu den Plänen von CEO Appel gehört auch ein Vorruhestandsprogramm, das 2018 zunächst mit Aufwendungen von EUR 500 Millionen zu Buche schlägt, aber bis 2020 jährlich die Kosten um mindestens EUR 200 Millionen senken soll. An der mittel- bis langfristigen Ergebnisprognose auf Stufe Ebit von EUR 5 Milliarden im Jahr 2020 auf Konzernebene hält die Deutsche Post unverändert fest. Bei der Problemsparte „Post – eCommerce – Parcel“ soll das Ebit bis 2020 auf EUR 1.7 Milliarden steigen. Die Aktie reagierte am Tag der Gewinnwarnung mit dem grössten Tagesverlust seit gut sechs Jahren, womit sich der steile Abwärts-trend seit dem Jahreswechsel 2017/18 nochmals beschleunigte. Unter dem Strich verbucht das Papier, welches im vergangenen Jahr noch zu den Überfliegern im DAX zählte, mittlerweile einen Wertverlust von über 25% (ytd). Auch wenn die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten weiter gut sind, dürfte die Aktie in den kommenden Tagen und Wochen unter Druck bleiben – vor allem negative Analystenkommentare könnten belasten.
Konklusion:
Wir stufen das Papier aufgrund des kurz- bis mittelfristig getrübten Bildes auf „Halten“ zurück und passen den Stopp-Loss auf EUR 29.70 an.