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Deutsche Börse

Der geplante Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) gerät ins Stocken. Einerseits sollen die Aktionäre erst Ende Juli und somit nach der Abstimmung der britischen Wähler über den Verbleib des Landes in der EU votieren. Die Hauptversammlung der LSE wird im Juli stattfinden. Im Juni erhalten die Anteilseigner der Deutschen Börse ein Umtauschangebot für den EUR 25 Milliarden schweren Zusammenschluss. Beide Seiten müssen je mindestens eine Dreiviertelmehrheit für die Fusion zusammenbekommen. Sollten die britischen Wähler für einen Brexit stimmen, so dürfte die geplante Fusion vor allen von deutscher Seite unter Druck kommen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Sitz der künftigen Grossbörse in London sein soll.
Andererseits regt sich in anderen Ländern Europas Widerstand gegen den Zusammenschluss. Der französische Finanzminister Michel Sapin äusserte vor wenigen Tagen seine Bedenken. Sapin befürchtet die Entstehung einer dominanten Marktposition durch den fusionierten Konzern. Er kündigte an, dass sich die französische Regierung dafür einsetzen werde, dass sich die EU-Kommission den Fall ansieht. „Das ist ein Wettbewerbsproblem“, meint Sapin. Die EU-Wettbewerbshüter müssen die Verschmelzung der beiden Börsenbetreiber ohnehin genehmigen. Der Widerstand aus Frankreich überrascht wenig. Denn durch die Fusion der Deutschen Börse mit der LSE kommt die europäische Mehrländerbörse Euronext unter starken Zugzwang, wenn sie nicht Marktanteile Richtung London abgeben will. Die Euronext betreibt die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel, London und Lissabon und hat ihren Sitz in Paris.
Wir halten es für wahrscheinlich, dass die EU-Wettbewerbshüter den Deal nur gegen Auflagen freigeben. Sie könnte die LSE/Deutsche Börse zwingen, einzelne Teile des Geschäftes abzugeben. Die Euronext dürfte sich diese Stücke wahrscheinlich sofort einverleiben. Die Börsenbetreiberin hatte zuletzt bereits erklärt, dass man auch mögliche Zukaufsmöglichkeiten prüfe. Darüber hinaus könnte die LSE/Deutsche Börse im Falle eines erfolgreichen Zusammenschlusses den Schulterschluss mit Frankreich suchen und von sich aus Teile ihres Geschäftes an die Börsenbetreiberin in Paris abgeben.
An der Börse wird der Deal zwischen der LSE und der Deutschen Börse bereits als Fakt angenommen – beide Aktien bewegen sich seit Monaten (den Ausverkauf zu Beginn des Jahres ausgeklammert) in einem stabilen Seitwärtstrend. Wir erwarten nicht, dass sich dies im Falle der Zustimmung der Aktionäre wesentlich ändert. Für den Fall, dass sich die Briten für einen Brexit entscheiden, dürften beide Papiere hingegen unter starken Abgabedruck kommen.
Konklusion:
Investierte Anleger sollten die Aktie der Deutschen Börse und/oder der LSE halten und mit Blick auf die Brexit-Abstimmung mit einem Stop-Loss absichern.