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Deutsche Bank

Die Absetzung von CEO John Cryan hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten abgezeichnet. Vor gut zwei Wochen ging der eigentlich starke Mann im Bankkonzern dann in die Offensive: Aufsichtsratchef Paul Achleitner schoss Cryan relativ emotionslos ab. Neu soll der bisherige Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts, Christian Sewing (47), die Geschicke der Deutschen Bank verantworten. Die Wahl des eher unscheinbaren Sewing, der seit fast drei Jahrzehnten für die Bank arbeitet und zuletzt im Vorstand sass, kam überraschend. Denn eigentlich galt der für das Beratungsgeschäft zuständige Marcus Schenck, der zugleich auch Co-Chef des Investmentbankings war, als Kronprinz. Nun verlässt er die Bank. Ob Sewing aber wirklich die Wende für die strauchelnde Grossbank bringt, erscheint uns gegenwärtig noch nicht absehbar. Zwar lieferte er in seinem Antrittsmemo an die Mitarbeiter die ersten „zitierfähigen“ Statements. Er schrieb von „Jägermentalität“ und dass „solide“ nicht der Anspruch für die Deutsche Bank sein könne. Das visionslose Rumgewurstel seines Vorgängers Cryan, welches ihm letztlich den Posten kostete, soll anscheinend nicht fortgesetzt werden – so der Eindruck des Memos. Doch wer die Historie Sewings kennt, der sieht schnell, dass sein Herz eher im Takt mit Cryan schlägt. Sewing war über Jahre im Controlling der Bank – er versuchte, seinen Bankkollegen ihre gewagten Geschäfte auszutreiben. Er wollte eine „Risikokultur von oben nach unten leben“. Die markigen Worte zu seinem Amtsantritt erscheinen daher eher wie der Versuch, das Image eines biederen Controllers etwas aufzupolieren. Aufsichtsratschef Achleitner signalisiert mit der Wahl von Sewing aus unserer Sicht zweierlei: 1. Die Deutsche Bank soll nach der turbulenten Ära um das Führungsduo Jain/Fitschen, welche vor allem vom Investmentbanker Kain geprägt war und dem Sanierer Cryan wieder „deutscher“ werden. 2. An der Strategie einer Universalbank mit starken Kapitalmarktgeschäft hält die Bank unverändert fest. Zwar kündigte Sewing bereits harte Einschnitte an. Die Überprüfung des Handels- und Kapitalmarktgeschäfts sowie des Angebots bei der Beratung von Kunden bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen läuft seit einigen Wochen. Die Ergebnisse dieser intern „Project Colombo“ genannten Prüfung sollen in den nächsten Wochen vorliegen. Doch radikale Einschnitte werden nicht erwartet. Und dass ist das Problem. Andere europäische Finanzinstitute oder auch die UBS haben ihr Investment Banking zusammengestrichen und den US-Banken das Feld grösstenteils überlassen. Dafür haben sie ihre Kräfte in der Vermögensverwaltung gebündelt – eine Sparte, in der sie den US-Wettbewerbern weitaus besser Paroli bieten können. Doch ein solcher Kulturwandel zeichnet sich bei der Deutschen Bank derzeit nicht ab. Zu stark scheinen die Kräfte, die die Bank wieder zu alten Glanz im Investment Banking verhelfen wollen. Doch dafür sind die US-Häuser mittlerweile schlicht zu dominierend. An der Börse wurde der Chefwechsel wohlwollend aufgenommen. Die Hoffnung, dass Sewing die Wende bringt und bei der Deutschen Bank endlich wieder Ruhe einkehrt, treibt die Aktie derzeit an. Ob Sewing diese Hoffnungen aber wirklich erfüllen kann, muss sich erst noch zeigen. Zumal seine Wahl auch intern nicht unumstritten gewesen sein soll, wie man vom Parkett hört. Einige grosse Geldgeber und Aktionäre der Bank stiess die Nacht-und-Nebel-Aktion von Achleitner bitter auf. Sie seien im Vorfeld nicht um ihre Meinung gefragt worden. Zudem habe Achleitner die Wahl Sewings als alternativlos dargestellt. Ihre Geduld mit dem neuen CEO – und vor allem auch mit Achleitner selbst – dürfte nicht sonderlich ausgeprägt sein.
Konklusion:
Ob Sewing als neuer CEO der Deutschen Bank endlich Visionen für das Institut entwerfen kann, erscheint uns gegenwärtig zumindest fraglich. Seine Wahl ist u. E. uninspirierend.