
Unsere spekulative Kaufempfehlung auf den europäischen Bankensektor im Schlussquartal 2016 geht bisher voll auf. Vor allem die Entwicklung der Aktie der Deutschen Bank hat bisher unsere kühnsten Erwartungen um Längen überboten. Satte 50% hat der Titel in den vergangenen Wochen zugelegt. Doch von alten Kurshöhen ist das Papier dennoch weit entfernt. Zum Vergleich: Zu Beginn des zweiten Quartals 2015 notierte die Aktie von Deutschlands grösster Privatbank noch bei EUR 33; Anfang 2014 kostete das Papier sogar EUR 37. Der starke Kursanstieg in den vergangenen Wochen ist aber weniger auf operative Fortschritte als viel mehr auf sinkende Risiken in Zusammenhang mit den USA zurückzuführen. Operativ, dies zeigten die Anfang Februar vorgelegten Jahreszahlen 2016, bekommt die Bank derzeit keinen Fuss auf den Boden. Der Verlust belief sich auf EUR 1.4 Milliarden, die Einnahmen sanken um 10% und ein wirkliches Konzept, wie die Bank wieder mehr Geld verdienen will, konnte CEO John Cryan noch nicht aus dem Hut zaubern. Und auch was die Kostensituation des Hauses angeht, ist man von den Glanztagen weit entfernt. Die Bank muss Euro-Cent 98 aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Vor wenigen Jahren lag die sog. Cost-Income-Ratio bei 70. Cryan, der nüchterne Zahlenmensch, muss liefern. Bis zur Hauptversammlung im Mai muss er ein Strategiepapier auf den Tisch legen, wie er neben den angestrebten Kostensenkungen auf unter EUR 22 Milliarden bis zum Jahr 2018 auch wieder mehr Geld verdienen will, und wie es mit dem bis dato stümperhaften Umgang mit dem Postbank-Verkauf weitergehen soll. Und wie will die Bank im schwächelnden Vermögensverwaltungs- und Privatkundengeschäft neuen Schwung generieren? – darauf muss Cryan bis spätestens zur Hauptversammlung überzeugende Antworten geben. Immerhin hat die Bank zuletzt Rückhalt von einem ihrer Ankeraktionäre erfahren: Das chinesische Firmenkonglomerat HNA hat Aktien im Wert von EUR 755 Millionen gekauft und hält damit 3.04% an der Deutschen Bank – eine Erhöhung dieser Beteiligung wolle HNA derzeit nicht ausschliessen. „HNA sieht die Deutsche Bank als sehr attraktives Investment und möchte das Management als Anker-Aktionär dabei unterstützen, dass sich die nach wie vor hervorragende DNA und die starke Marke der Bank auch wieder in Gewinn und Aktienkurs widerspiegeln“, sagte der Sprecher. Balsam für die Seele des oft kritisierten CEO. Wir halten vorerst an unserer Halte-Empfehlung für die Deutsche Bank-Aktie fest. Für uns steht im Mittelpunkt, ob die Bank eine neue Kapitalerhöhung braucht. Bisher wird dies zwar in der Frankfurter Konzernzentrale verneint. Doch auf dem Börsenparkett häufen sich die Stimmen, die genau das jedoch erwarten.
Konklusion:
CEO Cryan muss an der HV im Mai ein überzeugendes Strategiepapier vorlegen, wie er die Bank neu aufstellen will. Enttäuscht er, dürfte die Aktie deutlich nachgeben.