
Nun also doch: Die Deutsche Bank und die Commerzbank loten eine mögliche Fusion aus. Der Vorstand habe „beschlossen, strategische Optionen zu prüfen“, hiess es von der Deutschen Bank. Die Commerzbank sprach von ergebnisoffenen Gesprächen. Wir können einem möglichen Zusammenschluss der beiden angeschlagenen Grossbanken wenig Positives abgewinnen – vor allem da diese Fusion ein Wunsch der Regierung in Berlin ist. Sie traut beiden Banken offensichtlich nicht zu, allein in einem sehr schwierigen Umfeld langfristig auf globaler Ebene wettbewerbsfähig zu sein. Deutsche -Bank-Chef Christian Sewing hat die Hürde für eine Fusion bereits hochgehängt. Man werde nur einer Fusion zustimmen, wenn diese aus wirtschaftlicher Sicht Sinn ergebe und Berlin und damit das sozialdemokratische Finanzministerium „zumindest eine Mitverantwortung für den Stellenabbau übernehme“. Allein diese Aussagen zeigen, mit welchem grossen Widerwillen die beiden Banken die Gespräche führen werden. Es ist keine Liebeshochzeit, sondern eher eine arrangierte Ehe, die eigentlich keiner will. Auf dem Handelsparkett wird davon ausgegangen, dass in den kommenden vier bis sechs Wochen eine mehr als grobe Richtung beim Zusammenschluss erreicht werden könnte. Allerdings stehen die Chancen für eine Fusion bei maximal 50%. Wir werten die plötzlich einsetzende Bewegung der beiden Banken dahingehend, dass sich bei der Deutschen Bank die operative Schwäche im ersten Quartal 2019 fortgesetzt hat. Wir hatten Anfang Februar berichtet, dass aus Frankfurter Bankkreisen zu hören sei, dass dem CEO nicht mehr viel Zeit bleibe, um die Wende einzuleiten – obwohl jeder weiss, dass es Jahre dauert, eine Bank zu restrukturieren. Sollten auch die Zahlen für das laufende erste Quartal keine markante Besserung zeigen, so Branchenkreise, könnte die Zwangsehe mit Commerzbank schneller erfolgen als gedacht. Dieses Szenario scheint sich nun zu bewahrheiten. Wir stehen dem Zusammenschluss weiter kritisch gegenüber. Ein Zusammenschluss von zwei angeschlagenen Banken, wird u.E. keinen internationalen Champion hervorbringen. Dies ist jedoch das Wunschschloss, was sich die Berliner Politik von dem Deal erhoffen – sie werden enttäuscht werden. Darüber hinaus wäre ein Zusammenschluss auch keine gute Nachricht für die Aktionäre. Laut der US-Investmentbank Merrill Lynch sei eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank wegen des hohen Kapitalbedarfs nur schwer zu realisieren. Um Übernahme, Restrukturierung und Stellenabbau zu finanzieren sowie die höheren Kapitalanforderungen des fusionierten Instituts zu stemmen, müsste die Deutsche Bank ihr Kapital möglicherweise im zweistelligen Milliardenbereich erhöhen, so das Ergebnis der Analysten.
Konklusion:
Weder die Schwäche im Investmentbanking noch die anhaltende Ertragsschwäche werden durch eine Fusion gelöst. Aus zwei Blinden kann auch die Politik keinen Sehenden machen.