Die amerikanischen Währungshüter hatten den Handlungsbedarf in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Ende der ersten Dekade des neuen Jahrtausends schnell erkannt. In einem bis dato kaum für möglich gehaltenen Umfang stützte sie die Wirtschaft. Der Leitzins wurde nahe der Nulllinie gehalten und das Fed kaufte unter der Führung des damaligen Notenbankchefs Ben Bernanke Wertpapiere en masse auf. Das Fed kaufte US-Staatsanleihen, Mortage Backed Securties und viele andere kompliziert anmutende Finanzinstrumente, um den Immobilienmarkt zu stützen und die Wirtschaft wieder aufzupäppeln.
Die Liste der von der Fed eingesetzten Instrumente ist lang und für Aussenstehende sehr exotisch: Mit den „Term-Securities Lending Facility“ (TSLF) konnten die bedeutenden Banken schwer verkäufliche Wertpapiere in amerikanische Staatsanleihen tauschen. Die „Commercial Paper Funding Facility“ (CPFF) ermöglichte der Fed, von Emittenten direkt Geldmarktpapiere zu kaufen und die „Asset-Backed Commercial Paper Money Market Mutual Fund Liquidity Facility“ (AMLF) erleichterte Geldmarktfonds das Leben.
Nach Jahren des Wirtschaftsaufschwungs sind die Papiere in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund gerückt, zumal die US-Notenbank im Dezember 2015 den ersten Schritt hin zu einer geldpolitischen Normalisierung gewagt hatte. Zuletzt hat das Fed den Leitzins im Dezember 2016 um 0.25 Prozentpunkte angehoben und dürfte im laufenden Jahr weitere Leitzinserhöhung anstreben. Angesichts dessen stellt sich die Frage, ob und wann die Notenbank auch die riesigen Bestände an Wertpapieren zurückfahren wird. Nach Berechnungen von amerikanischen Investmentbanken sitzt das Fed beispielsweise auf Mortage Backed Securities (MBS) in Höhe von USD 1.8 Billionen und auf amerikanischen Staatsanleihen in Höhe von USD 2.5 Billionen. Bisher ersetzt das Fed auslaufende Titel mit neuen. Doch damit dürfte nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley bald Schluss sein. Sie schätzen, dass das Fed ab April 2018 auslaufende MBS nicht mehr ersetzen wird – womit ein wichtiger Player vom Markt verschwindet. Wie der Markt darauf reagieren wird, ist derzeit nicht seriös abzuschätzen. Zu lange wurde das Segment durch das Engagement der Fed verzerrt. Mit Blick auf amerikanische Staatsanleihen dürfte sich das Fed hingegen reichlich zeitlassen, bis man wieder von „normalen“ Verhältnissen sprechen kann. Amerikanische Marktbeobachter schätzen, dass der Abbau dieser Wertpapierpositionen in der Bilanz der amerikanischen Notenbank wahrscheinlich ein Jahrzehnt und länger dauern werde. Der Weg hin zu einer geldpolitischen Normalisierung ist noch lang und steinig.
Konklusion:
Die Normalisierung der Geldpolitik in den USA wird noch Jahre wenn nicht sogar mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Die Reaktionen der Märkte lassen sich derzeit nicht realistisch abschätzen.