Die Stimmung an den globalen Aktienmärkten ist weiter prächtig. Natürlich sorgen kleinere Rücksetzer immer wieder einmal für ein wenig Ernüchterung. Dennoch bleibt die Grundtonalität der Anleger positiv. Das half zuletzt auch dem Schweizer Leitindex, endlich das Allzeithoch aus dem Jahr 2007 zu überwinden. Und die weiteren Aussichten sind ordentlich. Die 10‘000 Punkte sollte der Swiss Market Index in diesem Jahr noch überwinden. Die Party auf dem Börsenparkett ist in vollem Gange: Die Musik spielt und die Tanzfläche ist prall gefüllt. Vor allem in den USA, so die Befürchtung einer zunehmenden Anzahl von Marktteilnehmern, scheint die Aktienrallye mittlerweile die Bodenhaftung verloren zu haben. Der Dow Jones Index brauchte gerade acht Handelstage, um von 25‘000 auf 26‘000 Punkte zu steigen. Der Abstand des Indexes zur 200-Tage-Durchschnittslinie hat sich mittlerweile auf 16% ausgeweitet. Nur einmal – auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase kurz vor der Jahrtausendwende – war dieser Abstand mit 18% höher. Während der Hausse vor der Finanzkrise 2007 lag der Abstand des Index zur 200-Tage-Linie bei lediglich 10%. Auch eine andere Entwicklung schürt bei den ersten Investoren die Befürchtung einer gefährlichen Überhitzung an den US-Börsen. Seit nunmehr fast 400 Handelstagen hat es an den Aktienmärkten in den USA keinen grösseren Rücksetzer mehr gegeben. Seit den 1930er Jahren gab es nur zwei Phasen (einmal in den 1960er und einmal in den 1990er Jahren), in denen über einen noch längeren Zeitraum eine Korrektur ausblieb, wie Goldman Sachs jüngst vorgerechnet hat. Im Durchschnitt, so die Analysten der amerikanischen Bank, geben die Kurse in den USA alle 90 Tage mehr als 5% oder mehr nach. Steht angesichts dieser Entwicklung in den USA also eine massive Korrektur bevor, die auch die Aktienkurse im Rest der Welt nach unten drücken dürfte? Unbestritten, die Aktienbewertungen in den USA sind hoch, sehr hoch sogar. Auch können wir nicht ausschliessen, dass der Markt in den kommenden Monaten kleinere Korrekturphasen durchläuft, in denen die Aktienkurse die oben erwähnten 5% nachgeben dürften. Doch ein grosses Platzen steht unseres Erachtens (noch) nicht bevor. Denn vergleicht man die aktuelle Entwicklung mit denen vorangegangener Blasenbildungsphasen, fehlt dem Markt gegenwärtig noch ein letztes, grosses Aufbäumen – eine Phase, die von grosser Euphorie und einem deutlich beschleunigten Preisanstieg gekennzeichnet ist. Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege von GMO, beschrieb in einem Letter an seine Kunden, dass die vergangenen sechs Monate mit dem Aufstieg zum Basislager vergleichbar seien. Nun ginge es darum, dass der Gipfelsturm in Angriff genommen werde. Auf Grundlage der letzten Aktienblasen würde dies bedeuten, dass der S&P500 in den kommenden neun bis 18 Monaten auf 3‘400 bis 3‘700 Punkte steige, bevor der Gipfel erreicht sei. Falls dies eintrete, sei eine Korrektur von 50% wahrscheinlich.
Konklusion:
Der Gipfelsturm an den Aktienbörsen steht unseres Erachtens erst noch bevor. Warnungen vor einem bevorstehenden Crash erachten wir als verfrüht.