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Jahr 2022

Daimler

Die Aktie des deutschen Premium-Autoherstellers weist auf Wochensicht ein deutliches Kursminus auf. Dies ist allerdings einzig auf die Dividendenzahlung am 23.05. zurückzuführen – dem Tag nach der Generalversammlung des Autobauers. Es war auch die letzte grosse Vorstellung von CEO Dieter Zetsche – sein Nachfolger an der Spitze des Konzerns, Ola Källenius, verfolgte die GV eher als stiller Beobachter.
Ein grosser Rucksack für den neuen CEO
Doch nun hat der Schwede das Zepter in der Hand, und die Aufgaben, die auf ihn warten, sind nicht gerade klein. Operativ durchläuft der Konzern eine seit Jahren nicht mehr erlebte Durststrecke: Aufgrund der weltweiten Handelskonflikte, Diesel-Rückrufen und Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasteststandard WLTP hatte Daimler 2018 mehr als ein Viertel seines Gewinns eingebüsst. Und auch der Start ins Jahr 2019 verlief eher schleppend. Hinzu kommen auf den neuen CEO noch weitaus grössere Herausforderungen zu. Källenius muss die Umstrukturierung des Unternehmens vorantreiben: Das Ziel ist, unter dem Dach der Daimler AG den Konzern in drei rechtlich eigenständige Sparten (Autos & Vans, Trucks & Busse und Finanz- & Mobilitätsdienstleistungen) aufzugleisen, um so mehr Freiräume zu schaffen – z.B. für die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen.
Vor allem muss der neue CEO aber zwei Bereiche voranbringen, die unter Zetsche bestenfalls ein Randdasein führten – die Elektromobilität und das autonome Fahren. Zwei Felder, die Daimler bis heute eher stiefmütterlich behandelte. Unzweifelhaft: Zetsche hat aus Daimler in den 13 Jahren seiner „Regentschaft“ einen Top-Konzern gemacht. Als er Daimler übernahm, hatte der Konzern eine ziemliche Schlagseite. Zetsche schüttelte das verstaubte Image ab, setzte auf mehr PS, mehr Stärke und moderne Designs. Nur: Daimler führte bislang insgesamt sieben SUV-Modelle – keines davon ist rein elektrisch. Erst der jüngst vorgestellte „EQC“ hat einen rein elektrischen Antrieb. Die Modellpalette wirkt angesichts der sich wandelnden Welt etwas angestaubt.
Kein sehr ambitionierter Umbau
Källenius will den Autokonzern gemäss seiner Strategie „Ambition 2039“ immerhin grüner machen, wenn auch nur in homöopathischen Dosen. Bis zum Jahr 2039 will die Marke mit Stern demnach keine Autos mehr anbieten, die ausschliesslich mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Källenius nennt den Schritt „mutig“; wir sagen zögerlich. Denn bis zum Jahr 2022 will der Konzern gerade einmal zehn rein elektrisch angetriebene Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen. Daimler setzt stärker auf Plug-in-Hybride: Bis 2020 sollen 20 Modelle mit dem hybriden Antriebsmix aus Verbrenner- und Elektromotor am Markt sein.
Aber nicht nur die Aufgaben sind gross, die auf Källenius warten. Auch die Fussstapfen, in welche der neue CEO tritt, sind riesig. Zetsche hat sich in 13 Jahren an der Spitze des Konzerns selbst zur Marke und zum Gesicht des Konzerns gemacht. Zetsche wurde mit Benzin im Blut geboren, so die einhellige Meinung über den abgetretenen Konzernchef. Ob Källenius sich aus dem übermächtigen Schatten seines Vorgängers herausarbeiten kann, wird erst die Zukunft weisen. Wir sind jedoch überzeugt, dass der neue CEO das Rüstzeug hat, um Daimler in eine neue Ära zu führen.

Konklusion:
Wir sind überzeugt, dass der neue Daimler-CEO Ola Källenius das Rüstzeug hat, den Konzern in eine neue Epoche zu führen. Aber auf ihn warten grosse Aufgaben.