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Daimler

Die Nachricht schlug bei Daimler ein wie eine Bombe. 230 Polizisten und 23 Staatsanwälte haben vergangene Woche insgesamt elf Konzernfilialen durchsucht. Der Vorwurf: „Betrug und strafbare Werbung“. Der Diesel-Abgasskandal, der bei VW vor gut zwei Jahren seinen Anfang nahm, hat nun also auch den deutschen Premium-Autobauer erreicht. Der Verdacht, dass auch bei Daimler bei den Abgaswerten etwas nicht stimmt, hält sich seit längerem. So fordern beispielsweise die amerikanischen Ermittlungsbehörden seit geraumer Zeit eine Erklärung für verdächtige Abgaswerte bei einigen Daimler-Modellen. Dass Daimler im Verdacht steht, ebenso wie VW bei den Abgaswerten manipuliert zu haben, ist nachzuvollziehen. Denn der Autozulieferer Bosch, dessen Software für die Abgasmanipulation bei VW eingesetzt wurde, soll auch den Stuttgarter Autobauer mit dieser Software beliefert haben – bewiesen ist bisher aber nichts. Allerdings drängt sich allein aufgrund des massiven Einsatzes der Stuttgarter Staatsanwälte auf, dass die Justiz zumindest einen begründeten Anfangsverdacht hat. Uns irritiert vor allem die Haltung der Konzernspitze von Daimler. „Bei uns wird nicht betrogen“, sagte Daimler-CEO Dieter Zetsche Anfang 2016. Doch der steigende Ermittlungsdruck zeigte Wirkung. Nur wenige Monate später klang Zetsche mit Blick auf mögliche Abgas-Manipulationen schon ganz anders. Es haben sich grosse Spielräume bei der Gesetzgebung ergeben, so Zetsche. Daimler wäre untreu gegenüber seinen Aktionären gewesen, hätte man diese Räume nicht auch genutzt. Einen Kardinalsfehler begeht Daimler aber in den USA. Dort fordern die Behörden seit Monaten eine Erklärung für verdächtige Abgaswerte. Nur Daimler hüllt sich in Schweigen. Das könnte sich rächen. Denn der Fall VW hat deutlich gemacht, mit welcher Härte die US-Behörden im Falle einer Nicht-Kooperation vorgehen. USD 23 Milliarden hat der Abgasskandal VW mittlerweile gekostet – Tendenz weiter steigend. Eigentlich ein warnendes Beispiel, wie man sich in den USA nicht verhalten sollte. Nach aussen gibt sich der Daimler-Vorstand dennoch betont ruhig. Hinter den Kulissen scheint es jedoch zu brodeln. Der Vorstand scheint sich für eine Klageschlacht zu rüsten. Nach Informationen vom Handelsparkett soll die Konzernspitze in jüngster Zeit verdächtig viele Anwaltskanzleien engagiert haben und in einem Bericht des Konzerns hiess es bereits, es drohten womöglich „erhebliche Geldstrafen“, was in der Folge „erhebliche nachteilige Auswirkungen auf Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage“ mit sich bringen könnte.
Konklusion:
Die Aktie von Daimler steht angesichts der Nachrichtenlage massiv unter Druck. Sollte sich der Verdacht gegen den Autobauer erhärten, müssen sich Anleger auf massive Verluste einstellen.