
Der grosse Knall, den viele Beobachter für die jüngst abgehaltene Generalversammlung der CS Group in Aussicht gestellt hatten, ist ausgeblieben. Im Gegenteil sogar: Zwar sparten die Aktionäre nicht mit Kritik am Führungsduo Tidjane Thiam (CEO) und Urs Rohner (VR-Präsident). Unter dem Strich blieb die Revolution aber aus. Alle Anliegen wurden von Aktionären mit einer teilweise beachtenswerten Mehrheit genehmigt. Rohner selbst wurde mit starken 92.2% für ein weiteres Jahr im Amt bestätigt. Nun dürften sich die Blicke der Investoren wieder auf das Tagesgeschäft der Bank richten. Am 10. Mai wird die Bank ihre Quartalsergebnisse für die Spanne Januar bis März 2016 vorlegen. Vor allem die Entwicklung im Investment Banking wird dabei im Fokus stehen. Denn dann dürfte endlich Klarheit darüber herrschen, wie hoch die Verluste und die damit verbundenen Risiken wirklich sind. CEO Thiam hatte in den vergangenen Monaten immer wieder auf hohe Verluste im Zusammenhang mit sog. „Distressed Bonds“ hingewiesen. Die Verluste aus dem Handel mit Obligationen von Firmen mit schlechter Kreditwürdigkeit aus den Sektoren Energie, Industrie und Bau summieren sich durch die gesehenen massiven Kurseinbrüche im Dezember 2015 auf gut USD 1 Milliarde, hatte der CEO kurz vor Ostern öffentlich mitgeteilt. Thiam macht für die Verluste alleine die Trader in den Handelsräumen verantwortlich. Diese hätten ihn, seinen Finanzchef David Mathers und viele weitere Topmanager im Dunkeln über die gigantischen Positionen gelassen. Ein Bericht des „Wall Street Journal“ lässt jedoch Zweifel an dieser Version aufkommen. Durch Gespräche mit Insidern aus der CS malt die Zeitung das Bild, dass es Thiam vor allem darum gehe, sich mit dem Finger-Pointing Richtung der New Yorker Handelsräume schadlos zu halten. Zudem seien die Verluste weitaus geringer als Thiam sie darstelle. Das Blatt berichtet unter Bezugnahme auf Trader in der Bank, dass die Verluste, wenn man alle Hedges, also Absicherungen, sowie „andere vorteilhafte Deals“ berücksichtige, näher bei USD 300 Millionen Dollar lägen und nicht bei USD 1 Milliarde, wie Thiam sagte. Darüber hinaus trage Thiam selbst mit der von ihm eingeleiteten Restrukturierung der Bank einen wesentlichen Anteil an den internen Verwerfungen bei. Die „Rapportierungslinien“ hätten damals wegen Thiams total umgebauter Organisation neu errichtet werden müssen; das habe „sogar Technologiesysteme“ betroffen, und zwar bis in den Januar hinein. Vereinfacht gesagt: Als die Verluste der Bank sichtbar wurden, hat es letztlich niemanden interessiert. Der interne Umbau scheint ein grosser Flickenteppich zu sein, der zu einem „sense of chaos“ in der Bank geführt hat.
Konklusion:
Die Trader schiessen scharf gegen den CEO. Thiam ist nach den vergangenen Monaten angeschlagenen. Wir warten gespannt auf die Q1-Zahlen.