
Das britische Ja zu einem EU-Austritt hat nicht nur auf regionaler Ebene erheblichen Einfluss auf unsere kurz- bis mittelfristige Anlagestrategie, sondern auch auf Sektorebene nehmen wir einige wichtige Umschichtungen vor. Wir gehen davon aus, dass die sprunghaft gestiegene Risikoaversion der Anleger länger anhält und nur schrittweise und langsam abgebaut wird. Entsprechend dürften konservative Branchen in den kommenden Wochen auf der Agenda der Anleger weit oben stehen.
Finanzsektor – Neueinschätzung: untergewichten (alt: übergewichten)
Aktien aus dem Bank- und Versicherungssektor sind die grossen Verlierer der Brexit-Abstimmung. Einerseits dürfte sich die deutliche steigende Risikoaversion der Anleger negativ im Handelsgeschäft der Banken (Investment Banking) niederschlagen. Andererseits dürfte der Markt mit Übernahmen und Fusionen sowie das IPO-Geschäft massiv leiden – vergleichbar mit der Entwicklung im ersten Quartal dieses Jahres. Völlig unklar ist zudem, wie sich der Brexit auf die Branche auswirken wird. Aktuell sehen Kapitalmarktexperten vor allem britische Finanzhäuser unter Druck – doch dies könnte auch auf Banken und Versicherungen auf dem europäischen Festland zurückschlagen. Wir stellen unsere Positionen im Schweizer Finanzsektor glatt – mit Verlust. Wir gehen nicht von einer kurzfristigen Erholungsbewegung aus.
Immobiliensektor – Neueinschätzung: übergewichten (alt: untergewichten)
In Krisenzeiten gelten Immobilien als werterhaltende Investmenst – entsprechend positiv entwickeln sich die Papiere von Immobiliengesellschaften. Die Entwicklung im Nachgang zur Mindestkursaufhebung im Januar 2015 ist exemplarisch dafür. Angesichts der massiv gestiegenen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten in Europa und somit auch in der Schweiz rechnen wir auch im Sommer 2016 mit einer Outperformance Schweizer Immobilienaktien. Kurzfristig stufen wir den Sektor auf übergewichten herauf und empfehlen, die Aktie von SPS Swiss Prime Site, PSP Swiss Property, Mobimo und Peach Property zu kaufen, um dem Depot Stabilität zu geben.
Industrie – Neueinschätzung: neutral (alt: übergewichten)
Ein möglicher neuer Frankenschock, eine mögliche Rezession in Europa und das hohe Geschäftsexposure in Europa dürften Aktien aus dem Schweizer Industriebereich belasten. Ähnlich wie im Bankensektor dürften die Anleger in den kommenden Wochen jegliches Risiko scheuen und abwarten, ob und wenn ja, in welchem Umfang sich ein Brexit auf die geschäftlichen Aussichten der Unternehmen auswirken wird. Es wird daher an der in wenigen Wochen startenden Q2-Berichtssaison sehr spannend werden, in wie weit die Firmen aus der Schweiz ihre Ausblicke für das laufende Geschäftsjahr bestätigen.