
Was sich Ende 2016 angebahnt hat, wurde vergangene Woche endlich Realität. Nur zwei Tage vor dem Regierungswechsel in den USA konnte die Credit Suisse den jahrelangen Rechtsstreit über den Handel mit RMBS („Residential Mortgage Backed Securities) (ein Instrument, welches mitverantwortlich war für die Finanzkrise) mit den amerikanischen Justizbehörden beilegen. Happige USD 5.3 Milliarden muss die Bank auf den Tisch legen. Als Geldbusse werden unmittelbar USD 2.48 Milliarden fällig. Darüber hinaus muss die Bank über einen Zeitraum von fünf Jahren Entschädigungszahlungen an Kunden von insgesamt USD 2.8 Milliarden leisten. Der Gesamtbetrag könnte noch steigen, denn die Bank ist in ähnlichen Fällen noch immer mit Verfahren der Staatsanwälte in New York und New Jersey konfrontiert. Die Bank muss angesichts der Höhe der Bussen ihre Rückstellungen nochmals erhöhen, wodurch das Gesamtergebnis 2016 negativ ausfallen wird – wir sehen unter dem Strich ein Minus von rund USD 1.5 Milliarden bis USD 1.8 Milliarden. Zugleich dürfte die Bank punkto Bilanzstärkung praktisch bei null anfangen – gegenwärtig zählt die CS Group nach Angaben der Analysten von Barclays zu den am schwächsten kapitalisierten Grossbanken Europas.
Kommt das Schweizer IPO?
Auch wenn die Busse happig ausgefallen ist, überwiegt der Fakt, dass der seit Jahren schwelende juristische Konflikt in den USA endlich beigelegt werden konnte. Einerseits kann sich die Bank nur wieder verstärkt und ohne störende Nebengeräusche auf die laufenden Restrukturierungsmassnahmen (Redimensionierung des Investmentbanking, Stärkung des Wealth Managements) konzentrieren. Andererseits ist ein Unsicherheitsfaktor verschwunden, der die Aktienkursentwicklung in den letzten Jahren immer wieder massiv gehemmt hatte. Die Kosten des Rechtsstreits sind entsprechend nur zweitrangig. Wir gehen davon aus, dass die Bank keine weiteren Kapitalerhöhungen braucht und im laufenden Geschäftsjahr unter normalen Bedingungen wieder satte Gewinne einstreichen kann. Die jüngst aufgekommenen Diskussionen, ob die CS nun auf einen Börsengang des Schweizer Geschäftes verzichten wird, halten wir gegenwärtig für haltlos. Denn das IPO dient primär dazu, die Kapitalsituation der CS Group zu verbessern, was auf mittelfristige Sicht wieder ein mitentscheidendes Kaufkriterium an den Börsen werden dürfte. Auf die geplanten IPO-Erlöse zwischen CHF 2 Milliarden bis CHF 4 Milliarden dürfte die CS nicht verzichten wollen.
Konklusion:
Wir haben frühzeitig auf eine Erholung im Bankensektor gewettet, was bisher auch vollumfänglich aufgeht. Investierte Anleger sollten das Papier halten – wir rechnen mit einer Fortsetzung der Erholung.