
Der Investorentag der CS Group brachte nicht den erhofften Befreiungsschlag. Dabei wäre dieser mit Blick auf die enttäuschende Kursentwicklung der Aktie dringend nötig gewesen. Aktuell notiert die Aktie mehr als 30% unter dem Stand zum Jahreswechsel 2017/18 und ist der zweitschlechteste Wert im SMI – nur Adecco weist eine noch miesere Kursperformance aus. Auch im Vergleich zu europäischen Peers bildet die Aktie das Schlusslicht. CEO Tidjane Thiam, der nunmehr seit gut drei Jahren die Bank führt und den grossangelegten Umbau des Institutes vorangetrieben hat, versuchte zwar, die Wogen zu glätten. Nur so recht gelingen wollte ihm das nicht. Der Umbau der Bank ist fast abgeschlossen, womit die Kosten gesamthaft deutlich stärker gedrückt werden konnten als anfänglich in Aussicht gestellt. In diesem Jahr peilt die Bank einen bereinigten Aufwand in Höhe von CHF 16.9 Milliarden an, was aller Ehren wert ist. Auch punkto Profitabilität gibt sich die Bank wieder deutlich zuversichtlicher. Die erwartete Rendite auf das materielle Eigenkapital (RoTE) soll sich im bald endenden Geschäftsjahr auf 6% belaufen. Schon im kommenden Jahr wird eine RoTE von 10% angepeilt und für 2020 eine Eigenkapitalrendite von 11% bis 12% in Aussicht gestellt. Darüber hinaus versuchte das Management, den Aktionären mit verschiedenen Massnahmen die massiven Kursverluste in den vergangenen Monaten zu versüssen. Einerseits sollen 2019 Aktien im Wert von CHF 1.5 Milliarden zurückgekauft werden, 2020 wird ein Rückkaufprogramm in gleicher Höhe angestrebt. Auch punkto Dividende stellte die Bank seine Aktionäre wieder auf bessere Zeiten ein. Die Dividende soll ab 2019 um jährlich mindestens 5% angehoben werden. In der Summe dürften in den kommenden beiden Jahren rund CHF 3.5 Milliarden an die Aktionäre zurückgeführt werden – vielleicht sogar mehr. Das mag für Anleger interessant erscheinen. Allerdings können diese Kapitalmassnahmen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Bank – wie so vielen anderen Instituten ebenfalls – an einer Vision fehlt, die nachhaltige Wachstumsfantasie entfachen könnte. Denn der für 2019 erwartete Gewinnsprung hat nichts mit dem Kundengeschäft zu tun, sondern ist vor allem auf sinkende Belastungen durch Altlasten aus der Finanzkrise, sinkende Finanzierungskosten, Entlastungen durch das Ende des Restrukturierungsprozesses oder Einsparungen bei nicht-wachstumsorientierten Investitionen zurückzuführen. Diese „Perspektivlosigkeit“ ist aber kein CS Group-spezifisches Problem, sondern ein branchenweites, europäisches Phänomen. Wir halten vorerst an unserem Investment fest – allerdings aus einem rein opportunistischen Gedanken. Viel tiefer dürfte die Aktie in den kommenden Monaten nicht sinken, womit wir nicht am Tiefpunkt verkaufen wollen. Entsprechend warten wir eine Erholung ab.
Konklusion:
Die angekündigten Kapitalmassnahmen können die enttäuschende Aktienkursentwicklung nur teilweise kompensieren. Wir bleiben aus rein opportunistischen Gründen investiert.