
Die Covid-19-Pandemie trifft den Autozulieferer und Reifenhersteller Continental mit voller Wucht. Bereits im ersten Quartal dürfte der Konzern die Auswirkungen spüren. Der Umsatz dürfte sich nach rund EUR 11 Milliarden im Vorjahr auf nur noch EUR 9.4 Milliarden bis EUR 9.8 Milliarden belaufen. Die bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern müsste sich im Bereich zwischen 2% und 3% einpendeln. Im Vorjahr lag die operative Marge noch bei 8.1%. Immerhin dürfte sich Continental damit etwas besser geschlagen haben, wie so manche Wettbewerber. Da der deutsche Autozulieferer vergleichsweise gering vom China-Geschäft abhängig ist, machte sich der dortige Lockdown im Geschäftsgang nicht ganz so verheerend bemerkbar. Angesichts der Unsicherheiten nahm der Konzern den Ausblick für das Gesamtjahr zurück. Zudem sei gegenwärtig nicht abzuschätzen, wann ein neuer Ausblick gegeben werden könne, so der Konzern in einer Mitteilung. Der Konzern wehrt sich nach allen Kräften gegen die Talfahrt, welche sich in Q2 noch verschärfen dürfte, da zumindest im April in Europa und den USA so gut wie nichts mehr ging. Kurzum: Was Continental im ersten Quartal begünstigt hat, dürfte sich nun umkehren. Die hohe Abhängigkeit von Europa und den USA wird sich nun nachteilig in den Q2-Zahlen widerspiegeln. Wie gewonnen, so zerronnen! Die jüngste Gewinnwarnung überrascht uns nicht mehr – auch das Continental auf einen neuen Ausblick verzichtet, ist unseres Erachtens kein Beinbruch, sondern der Realität geschuldet. „Mehr Gegenwart, weniger Zukunft“ – so lautet aktuell die Devise im Konzern. Projekte mit langer Laufzeit wie beispielsweise das autonome Fahren werden verschoben, um die Liquidität zu schonen. Ungeachtet der anhaltenden Unsicherheiten will Continental aber an den Abspaltungsplänen der Antriebssparte festhalten. Die Vorbereitungen für den Spin-off sollen bis September dieses Jahres abgeschlossen sein. Bis Ende des Jahres soll der Spin-off dann durchgezogen werden. Ob dies klappt, steht u.E. wie so Vieles gegenwärtig in den Sternen. Aktuell verfügt das Unternehmen über ein Liquiditätspolster von bis zu EUR 7 Milliarden – dies sollte ausreichen, um die kommenden Monate ohne staatliche Hilfen zu bewältigen. Grössere Sorgen bereitet uns aber ein mögliches Hochfahren der Produktion. Denn hierbei ist Continental, wie auch viele andere Grossunternehmen, auf die kleineren Produzenten angewiesen. Das Problem: Die Coronakrise ist in den europäischen Ländern in unterschiedlichen Phasen – es gibt also keinen Termin, an dem die gesamte Produktionskette wieder hochgefahren werden kann. Das Management von Continental schätzt, dass eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Wochen notwendig ist, um zu eruieren, wie löchrig die Produktionskette wirklich geworden ist.
Konklusion:
Die Coronakrise hat die bestehenden operativen Probleme bei Continental dramatisch verschärft. Die Aktie scheint im Bereich um EUR 60 nun aber einen belastbaren Boden gefunden zu haben. Für mutige Anleger rückt der Zeitpunkt zum Einstieg näher!