
Das Coronavirus wird derzeit von vielen Unternehmen als Grund für eine bevorstehende geschäftliche Talfahrt genannt. Auch der deutsche Autozulieferer beruft sich auf die Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs. Doch im Fall Continental ist dies bestenfalls die halbe Wahrheit. Denn der Konzern ringt seit Jahren damit, sich neu auszurichten, um für die Herausforderungen, welche die Veränderungen in der Mobilität mit sich bringen, gewappnet zu sein. Man wolle sich stärker auf das Geschäft mit Fahrassistenten, dem autonomen Fahren und Software-Produkten ausrichten, wird mantra-artig seit Jahren wiederholt. Nur das nötige Kleingeld, welches eine solche Neuausrichtung verschlingen würde, ist bisher nur spärlich geflossen – lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Dass Continental mitten in der Coronakrise, welche die Konjunkturentwicklung in Q1 und wahrscheinlich auch Q2 deutlich dämpfen wird, und angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Autobranche und der beschleunigten Elektrowende die Neuausrichtung des Geschäfts forcieren will, erinnert ein wenig an Harakiri. Zur Verdeutlichung: Die operative Marge dürfte 2020 auf 5.5% bis 6.5% fallen, nach 7.4% im Vorjahr. In der Autozulieferung geht Conti von einer Umsatzrendite von schwächlichen 3% bis 4% aus, bei Reifen und Kunststoffen sollen es 10% bis 11% sein. Beide Zielmarken liegen unter dem Ergebnis von 2019. Beim Umsatz werden auch keine Kunststücke erwartet – ein Rückgang im Vergleich zu 2019 scheint wahrscheinlich. In solch einem Umfeld Milliarden in den Umbau zu investieren, ist u.E. ein schmaler Grat!
Konklusion:
Das Verhältnis von Schulden zum Eigenkapital ist 2019 von 9.1 auf 25.6 gesprungen. Die Netto-Finanzschulden belaufen sich auf EUR 4.1 Milliarden. Die Neuausrichtung wird ein Vabanque-Spiel!