
Die Entwicklung bei der Commerzbank hat den Aktionären in den letzten Jahren viel abverlangt. Immer wieder keimte die Hoffnung auf eine Wende zum Besseren – der Aktienkurs stieg. Doch letztlich war die Wirklichkeit meist sehr ernüchternd, was an den Börsen meist das sofortige Ende einer Kurserholung bedeutete. Von Besserung war über viele Jahre keine Spur zu sehen. Zwar hat das Papier seit Anfang August 2016 eine beeindruckende Entwicklung hingelegt und notiert derzeit gut 80% über dem damaligen Kursniveau. Für Altaktionäre der Bank ist dies aber nur ein schwacher Trost. Im Mai 2007 kostete ein Papier der Bank noch fast EUR 300. Dann geriet die Bank tief in den Strudel der Finanzkrise und konnte nur mit Steuergeldern gerettet werden. Die Aktie verlor seitdem pro Jahr vereinfacht gesagt je 25% an Wert – ein Investment von EUR 10‘000 hätte sich auf gut EUR 600 fast in Luft aufgelöst. Wo also geht die Reise hin? Die Anfang Mai vorgelegten Zahlen für das erste Quartal 2017 waren auf den ersten Blick ordentlich. Allerdings profitierte die Bank von steigenden Einnahmen im Nicht-Kerngeschäft. Denn auf Spartenebene zeigt sich, dass die Bank weiter mit dem schwierigen Umfeld zu kämpfen hat. Die Erlöse im Business mit Privat- und kleineren Geschäftskunden stagnierten, das grössere Geschäftskundensegment musste sogar ein Minus hinnehmen. Dank scharfer Kostenkontrolle konnte die Bank dennoch einen ordentlichen operativen Gewinn von EUR 314 Millionen ausweisen. Insgesamt will die Bank in den kommenden Jahren 9‘600 Arbeitsplätze streichen. Die Kosten sollen bis zum Jahr 2020 um gut EUR 1,1 Milliarden auf EUR 6.5 Milliarden sinken. Dennoch: Die Bank befindet sich wie zahlreiche andere europäische Institute auf der Sinnsuche. Das tiefe Zinsumfeld belastet das Kerngeschäft, im Investment-Banking geben die US-Banken mittlerweile wieder den Ton an und das Privatkundengeschäft entwickelt sich nur in kleinen Schritten. Zwar kann das Institut wieder neue Privatkunden gewinnen, nur schafft es die Bank bedingt, dies auch in einen steigenden Gewinn umzumünzen. Zudem hat die Commerzbank ein weiteres Problem: Ihr starkes Engagement in der Schifffahrt. Die Commerzbank hat mit faulen Schiffskrediten in den vergangenen fünf Jahren einen Verlust von EUR 2.6 Milliarden verbucht und rechnet mit weiteren Belastungen. Bis Ende 2020 sollen die verbliebenen Schiffs- und Gewerbeimmobilienkredite fast vollständig abgebaut sein. Aus unserer Sicht ist das Verlust-Risiko für Aktionäre hoch. Noch hat die Bank nicht bewiesen, dass sie die richtigen Schalter für ein nachhaltiges Wachstum umgelegt hat. Zudem ist das Papier mit einem KGV 2018 von 14 im Branchenvergleich ambitioniert bewertet.
Konklusion:
Investierte Anleger sollten die Aktie der Commerzbank halten und sich mit einem Stop-Loss bei EUR 8.95 absichern. Neu-Investments drängen sich nicht auf.