
Wir hatten in Ausgabe 07/2021 über den Hype um sog. Spacs berichtet – leere Börsenmäntel, die durch Zukäufe oder Merger erst mit einem operativen Geschäft gefüllt werden. Der Spac „Churchill Capital IV“ und der bis anhin private Elektroautobauer Lucid Motors haben nun den unseres Wissens nach grössten Deal in diesem Segment gestemmt – und es zeigt sich, mit welchen Problemen dies für Anleger verbunden sein kann. Vor wenigen Tagen bestätigten Lucid Motors und der Spac Churchill Capital IV, dass Lucid durch die Fusion mit dem Spac an die Börse gehen werde. Für Lucid ein fantatisches Geschäft: Der Konzern streicht gut USD 4.4 Milliarden ein. Das Unternehmen wird dem Vernehmen nach mit USD 24 Milliarden bewertet. Ein stolze Summe wenn man bedenkt, dass Lucid noch nicht einen Wagen für das Massengeschäft vom Band geschickt hat. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 soll die erste vollelektrische Luxuslimousine „Air“ für USD 169‘000 aus den Produktionhallen fahren. Und nun kommt das eigentliche Problem: Am Markt kamen gegen Beginn des Jahres 2021 erstmals Gerüchte auf, dass Churchill Capital IV an einem grossen Deal dran sei. Die Aktie vervielfachte sich binnen weniger Handelswochen von knapp USD 10 auf zeitweise mehr als USD 64. Mit der Ankündigung des Deals brach die Notierung regelrecht in sich zusammen und stürzte unter USD 30 ab. Weitere Kursverluste scheinen wahrscheinlich. „Buy the rumor, sell the fact“, wie es im Börsenjargon heisst. Wer in Churchill Capital IV investierte, ist nun also Teilhaber an Lucid Motors. Die Pläne klingen vorderhand interessant. Lucid will sich gänzlich auf das Elektro-Luxusautosegment konzentrieren und bis 2026 jährlich 250‘000 Autos verkaufen. Ein ambitionierter, aber nicht unmöglicher Plan. Nur geben wir dabei eines zu bedenken: Lucid beginnt mit der Produktion seiner ersten Modellreihe zum gleichen Zeitpunkt, an dem die klassischen Autokonzerne weltweit punkto Elektromobilität Gas geben und scharenweise neue Modelle einführen – auch in der Luxusklasse. Der Porsche Taycan Cross Tourismo steht in den Startlöchern, ebenso wie der EQS von Daimler. Der chinesische Autohersteller Donfgeng hat unter der Marke „Voyah“ jüngst das Premium-GT-Modell „I-Land“ vorgestellt. Lucid Motors hat sicher das Potenzial, sich eine grössere Fan-Gemeinde aufzubauen. Doch das haben viele andere Autobauer auch. Und es rechtfertigt u.E. auch nicht eine USD 24 Milliarden-Bewertung.
Konklusion:
Lucid Motors geht über die Fusion mit dem Spac Churchill Capital IV an die Börse. Ein Unternehmen, dass bisher null Umsatz generiert und USD 24 Milliarden wert sein soll.
(red./mda)