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Charles Schwab

Seitdem die ersten Gerüchte aufkamen, dass der US-Broker Charles Schwab seinen Wettbewerber TD Ameritrade übernehmen will, befindet sich die Aktie von Schwab im Aufwind und markierte bei USD 50.02 zuletzt ein neues 52-Wochenhoch. Mittlerweile ist der Deal offiziell bestätigt. Per Aktientausch will sich Branchenleader Schwab die Nummer 2 auf dem amerikanischen Brokermarkt einverleiben. Aktionäre von TD Ameritrade werden 1.08 Schwab-Anteile pro Aktie bekommen. Der Deal ist gut USD 26 Milliarden schwer. Sofern die Aufsichtsbehörden keine Einwände haben, dürfte die Übernahme im zweiten Halbjahr abgeschlossen sein. Das neue Unternehmen würde summiert mehr als USD 5‘000 Milliarden an Vermögen verwalten. Wir gehen jedoch davon aus, dass auf Seiten der Aufsichtsbehörden durchaus erhebliche Widerstände gegen den Zusammenschluss entstehen dürften. Denn wenn sich die Nummer 1 und die Nummer 2 auf dem US-Brokermarkt zusammenschliessen wollen, besteht die Gefahr, dass ein marktdominierender Player entsteht. Vor allem kleinere E-Broker dürften durch einen solchen Zusammenschluss unter Zugzwang geraten, um sich gegen einen so übermächtigen Gegner zu behaupten. E-Trade, einer dieser kleineren, aufstrebenden E-Broker, gilt seit Bekanntwerden des Schwab/Ameritrade-Deals selbst als Übernahmekandidat. Der geplante Zusammenschluss ist die Reaktion auf den harten Preiskampf und das sich verändernde Anlageverhalten der Kunden. Zwar konnten die Broker stark vom längsten Bullenmarkt aller Zeiten in den USA profitieren und nach der Finanzkrise alte und neue Kunden gewinnen. Aber die technologische Entwicklung rüttelt seit Jahren am Status der klassischen Broker. Die Online- oder E-Broker haben einerseits einen harten Preiskampf entfacht. Vor sechs Jahren führte der E-Broker Robinhood als erstes Unternehmen den gebührenfreien Aktienhandel ein. Erst im Oktober dieses Jahres zogen auch Ameritrade und Schwab nach und verzichten auf Gebühren für den Handel mit US-Aktien, ETFs und Optionsscheinen. Der Drang nach schierer Grösse ist daher verständlich. Zumal sich auch die Art und Weise, wie Investoren ihr Geld anlegen, verändert hat. Denn der Handel geht weg von einzelnen Aktien und hin zu ETFs, welche mit tiefen Gebühren locken. Zugleich bedrohen die sog. Robo-Advisor das klassische Brokergeschäft. Die Anbieter legen das Geld der überwiegend jungen Kunden automatisch nach bestimmten Regeln an und verlangen dafür eine vergleichsweise geringe Gebühr.

Konklusion:
Wir gehen nicht davon aus, dass die US-Aufsichtsbehörden den geplanten Deal einfach durchwinken werden. Die Auflagen dürften hoch ausfallen. Dennoch dürfte die Aktie von Charles Schwab kurzfristig weiter zulegen. Der geplante Deal hat die Fantasie der Anleger angeregt. Die Aktie ist ein „spekulativer Kauf“. Wir taxieren das kurzfristige Aufwärtspotenzial auf 15%! Mittel- bis langfristig erscheint uns der Titel aufgrund der hohen Bewertung jedoch wenig attraktiv.