Sell in May… Was ist wirklich dran?
Mit dem Beginn des Wonnemonats Mai läuten bei zahlreichen Anlegern einmal mehr die Alarmglocken. Denn besagt nicht eine Börsenweisheit: „Sell in May“? Wer die letzten Jahre an den Börsen verfolgt hat, könnte zu dem Eindruck kommen, dass die alte Börsenweisheit tatsächlich zutrifft. Im Jahr 2011 sackte beispielsweise der Schweizer Leitindex zwischen 01.06. bis 08.08. von 6‘496 Punkten auf 4‘967 Zähler ab, im Jahr 2013 verlor der SMI zwischen 20.05. bis 24.06. abermals über 1‘000 Punkte und im Jahr 2015 brach der Swiss Market Index zwischen dem 08.08. bis 29.09. von 9‘526 auf 8‘323 Zähler ein. Eine Langzeituntersuchung der DZ Bank nährt den Verdacht, dass an der Börsenweisheit etwas dran sein könnte. Sie untersuchte die Entwicklung des deutschen Leitindex Dax seit 1960. Und tatsächlich entwickelte sich der Deutsche Aktienindex in den Wintermonaten besser als in den Sommermonaten. Zwischen Oktober bis April legte der Leitindex im Schnitt um 1.1% pro Monat zu, während das Plus zwischen Mai bis September nur 0.1% betrug. Allerdings zeigt sich auch, dass der Ansatz als Investmentstrategie nicht taugt. Denn die Untersuchung zeigt auch, dass der Juli historisch betrachtet einer der stärksten Monate im Jahresverlauf ist. Zudem ist zu beachten, dass sich die Welt durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat. Als die Aktienkurse noch über den Parketthandel gemacht wurden, so zumindest der Mythos, sollen die Händler vor den Sommermonaten ihre Positionen aufgelöst haben, um in aller Ruhe vor der Hitze in New York zu fliehen und ihre Ferien fernab der Wall Street geniessen zu können. Heute reichen einige wenige Klicks im Internet, um selbst in den abgelegendsten Weltgegenden noch mit Aktien zu handeln. Kommt hinzu, dass die bessere Performance in den Wintermonaten auch rein logisch zu erklären ist. Einerseits beginnt im Oktober bei vielen professionellen Investoren der Schlussspurt, um die Jahresperformance in ein gutes Licht zu rücken. Der Handel nimmt deutlich Fahrt auf, das Hin und Her an der Börse verstärkt sich. Der Jahresanfang wird hingegen genutzt, um neue Positionen aufzubauen und sich neu zu orientieren. „Sell in May and go away“ – dies kann stimmen, muss aber nicht. Es ist ähnlich wie die leidige Diskussion über den besten Einstiegszeitpunkt: Man wird diesen nur in Ausnahmefällen wirklich treffen. Es ist aus unserer Sicht weniger wichtig, wann man in den Markt einsteigt. Viel wichtiger ist, welche Aktien man sich ins Depot holt und wie lange der Anlagehorizont ist.
Konklusion:
Die Brexit-Abstimmung und die Turbulenzen in Griechenland könnten dafür sorgen, dass die „Mairegel“ 2016 zutrifft. Doch wir raten davon ab, auf Vorrat zu verkaufen. Wir bleiben vorerst bullish!