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Jahr 2022

Börse blendet Risiken komplett aus

Die Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA hat an den US-Börsen eine völlig unerwartete Bewegung ausgelöst. Im Vorfeld der Wahl wurde von einer Mehrzahl der Analysten und auch uns in Aussicht gestellt, dass ein Wahlsieg des republikanischen Kandidaten kräftige Gewitter an den Kapitalmärkten verursachen dürfte. Das Gegenteil geschah: Der S&P500 konnte seine seit Anfang September erlittenen Verluste (-3.95%) binnen weniger Handelstage wettmachen. Nicht die mit seiner Wahl verbundenen Unsicherheiten rückten in den Fokus der Marktteilnehmer, sondern die möglichen positiven Konjunkturimpulse, die Trump mit seinem angekündigten milliardenschweren Konjunkturprogramm und Steuersenkungen auslösen könnte. Die bisherige Trump-Rallye steht dabei auf einem soliden Fundament: Die Handelsvolumen sind am Wahltag vor gut eineinhalb Wochen sprunghaft angestiegen und konnten sich seitdem auf einem erhöhten Niveau halten. Der signifikante Stimmungswechsel spiegelt sich auch im MACD- sowie Stochastik-Indikator wider, die in der Berichtswoche kräftige Kaufsignale ausbildeten – allerdings droht die Stimmung gemäss den beiden Indikatoren bereits wieder zu kippen. Zahlreiche Investoren dürften nach dem starken Kursanstieg die Gelegenheit nutzen und Gewinne einfahren. Dass der künftige Präsident der USA in den Tagen nach der Wahl tendenziell versöhnliche Töne anschlug und einige seiner Vorhaben bereits wieder kippte, sollte Anleger nicht dazu verführen, Trump als einen Heilsbringer für die Weltwirtschaft zu sehen. Im Gegenteil zeigen die jüngsten Äusserungen nur, wie wechselhaft und unberechenbar der künftige Präsident der USA in seinen Ansichten ist – er biegt diese so, wie sie ihm am meisten nutzen. Vor diesem Hintergrund erscheint uns die gegenwärtige Aufwärtsbewegung als äusserst riskant. 1. Uns ist derzeit völlig unklar, wie Trump Konjunkturprogramme und Steuersenkungen angesichts des ohnehin sehr hohen Verschuldungsgrades der USA finanzieren will. 2. Anders als Ronald Reagan, mit dem Trump gerne verglichen wird, plädiert Trump für einen protektionistischen Wirtschaftsweg, was die Wettbewerbsfähigkeit der USA langfristig massiv belasten wird. Reagan sprach sich während seiner Amtszeit immer für freien Handel und einen Abbau von Beschränkungen aus. Wir rechnen mit sinkenden ausländischen Direktinvestitionen. 3. Der tiefe gesellschaftliche Graben wird durch die Wahl von Trump unseres Erachtens zementiert. Das Land könnte in den kommenden Jahren soziale Unruhen erleben.
Konklusion:
Die Börse blendet die Risiken, die mit der Wahl von Trump verbunden sind, komplett aus. Wir stufen US-Aktien kurzfristig auf „untergewichten“ zurück bis sich der Schleier über den USA etwas lüftet.