+11.66%
YTD 2026
+15.08%
Jahr 2025
+23.37%
Jahr 2024
+12.28%
Jahr 2023
-6.63%
Jahr 2022

Boeing

Berichte über mögliche Bilanztricksereien beim amerikanischen Flugzeughersteller Boeing haben den Aktienkurs in der Vorwoche schwer belastet. Das Papier verlor binnen weniger Handelstage – auch wegen der durchwachsenen Quartalszahlen – über 12% an Wert. Laut einem Bloomberg-Bericht hat Boeing beim sog. „Program Accounting“ gedreht, also Verluste versteckt. Dabei handelt es sich um eine spezielle Buchhaltungsregelung für die Flugzeugindustrie. Da die Kosten für die Entwicklung eines neuen Flugzeugmodells sehr hoch sind, dürfen Boeing und andere Flugzeughersteller diese über die gesamte Laufzeit des Programms verteilen. Da ein Jet in der Regel mehrere Jahrzehnte im Einsatz ist, können sich diese Abschreibungen demnach sehr lange hinziehen. Im Fokus stehen dabei die Zahlen für die Boeing 787 (dem sog. Dreamliner) sowie für die Boeing „747-8“.
Es ist in der Branche kein Geheimnis, dass der Konzern mit beiden Flugzeugen grosse Probleme hat. Bei der 787 kämpft Boeing mit ausufernden Kosten für die Entwicklung und den Bau des komplett neuen Flugzeugs. Satte USD 28.5 Milliarden sollen bisher angefallen sein. Und ein Ende ist nicht in Sicht, wie CEO Dennis Muilenberg zuletzt durchblicken liess. An einer Analystenkonferenz sagte er, dass man noch viel Arbeit bei der 787 vor sich habe. Zweifel bestehen auch bei der 747-8. Der Riesenjumbo verkauft sich schlicht und einfach nicht. Der Spritverbrauch ist sehr hoch und zudem benötigt der Flieger längere Landebahnen. Er rechnet sich lediglich für den Einsatz zwischen den grossen Drehkreuzen. Doch die Airlines wollen derzeit liebere kleinere, sparsamere Flugzeuge mit einer höheren Reichweite, um die Märkte punktgenau bedienen zu können.
Bisher ist unklar, ob die amerikanische Börsenaufsicht SEC Ermittlungen durchführt. Weder die Behörde noch Boeing wollen sich gegenwärtig zu diesem Punkt äussern. Allerdings verteidigte Boeing-CEO Dennis Muilenberg die Bilanzierungspraxis des Konzerns. Es sei ein Prozedere, das der Konzern seit Jahrzehnten anwende, so der Chef des Flugzeugherstellers. Am Markt wird vor allem die Bilanzierung in Bezug auf die 787, dem Dreamliner, hinterfragt. Boeing habe nach Ansicht einiger Marktteilnehmer sehr aggressiv abgeschrieben, was Fragen aufwerfe. Sollte die SEC tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass die Bilanzierung bei Boeing nicht den Regeln entspricht, könnte dies nach Aussagen von Brancheninsidern signifikante Auswirkungen haben. Wir empfehlen angesichts der Unsicherheiten, das Papier nicht aufzustocken. Auch die Bewertung spricht gegen eine Übergewichtung. Im historischen Vergleich bei früheren Gewinn-Peaks (im Schnitt KGV von 12) ist die Aktie mit einem KGV 2016 von 13.5 teuer.
Konklusion:
Die Aktie ist auf mittelfristige Sicht ausgereizt. Wir schätzen das weitere Aufwärtspotenzial aufgrund der Bewertung als gering ein. Zudem verunsichern die Gerüchte.