
2017 war unter dem Strich ein gutes Jahr für Börsengänge – sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks. Zahlreiche US-Börsenneulinge erfreuten sich nach der Publikumsöffnung eines grossen Interesses und die Aktienkurse gingen oftmals regelrecht durch die Decke. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Denn trotz des guten Umfelds gab es 2017 auch einige hochkarätige Flops. Den grössten Flop lieferte Blue Apron ab. Bereits im Vorfeld des Börsengangs stand der Zutatenlieferservice unter Druck. Der Konzern befand sich mitten in einem Umstrukturierungsprozess, der für grosse Verunsicherung sorgte. Durch die Eröffnung eines neues Fulfillment-Centers stieg die Anzahl der Kunden, die verspätet oder mit falschen Zutaten beliefert wurden. Statt neue Kunden zu gewinnen, sank dadurch die Kundenzahl. Im zurückliegenden Quartal ging die Anzahl der Kunden von Blue Apron um rund 6% auf 856‘000 zurück. Eine Wachstumsstory, was ein Start-up-Unternehmen eigentlich bieten sollte, sieht anders aus. Der Börsengang geriet von Anfang an zu einem Fiasko. Zunächst musste Blue Apron den Ausgabepreis von USD 15 bis USD 17 auf USD 10 bis USD 11 senken. Das fehlende Wachstum und die Ankündigung von Amazon, die Biolebensmittelkette Whole Foods Market zu übernehmen und somit in den Lebensmittelhandel einzusteigen, führten dazu, dass die Aktie in der Spitze rund 70% an Wert verlor. Ende November zog der Konzern die Reissleine: Matt Salzberg, Mitbegründer und CEO von Blue Apron, trat zurück. Seither steht der ehemalige CFO Brad Dickerson an der Spitze des Unternehmens, welches im vergangenen Quartal den Nettoverlust auf über USD 87 Millionen mehr als verdoppelt hatte. An der Börse kam der Managementwechsel gut an. Dem Mitgründer wurde nicht mehr zugetraut, dem grossen Wettbewerber Amazon etwas entgegenstellen zu können. Allerdings halten wir es für verfrüht, bereits in Jubelstimmung zu verfallen. Unbestritten dürfte Dickerson zwar die Zahlen im Griff haben. Er war fast 11 Jahr der Herr der Zahlen beim US-Sportartikelhersteller Under Armour und somit eine entscheidende Person beim geschäftlichen Aufstieg des Sportkonzerns. Aber aus unserer Sicht braucht Blue Apron vor allem mehr Innovationen, die Wettbewerber Amazon nicht bieten kann. Ob Dickerson als Mann der Zahlen diesbezüglich wirklich Entscheidendes beitragen kann, wagen wir zu bezweifeln. Blue Apron hat vor wenigen Wochen den Abbau von 6% der Belegschaft angekündigt, die Stimmung unter den Blue Apron-Köchen gilt als angeschlagen. Wahrscheinlich werden weitere Abbaurunden folgen, um den Konzern auf ein solides Finanzfundament zu stellen. Auf dem Börsenparkett in New York gelten die Zukunftsaussichten als wenig rosig.
Konklusion:
Der Börsengang des Zutatenlieferdienstes Blue Apron war ein regelrechtes Desaster. Die weiteren Aussichten sind angesichts der Marktmacht von Amazon wenig berauschend.