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Jahr 2022

Bilfinger

Beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger ging es in den vergangenen zwei Jahren drunter und drüber. Eine gravierende Fehleinschätzung zu den Auswirkungen der Energiewende in Deutschland und klassische Managementfehler liessen die Aufträge im Kraftwerksgeschäft einbrechen. Das Unternehmen musste mehrmals die Gewinnprognose kappen. Der damalige CEO Roland Koch dankte ab. Nun wird der Konzern zerschlagen: Die Sparte „Power“ wird in Einzelteilen und nicht wie ursprünglich beabsichtigt als Gesamtpaket verkauf. Zugleich trennt sich Bilfinger von seinem Bau- und Immobiliengeschäft, dessen Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Der schwedische Investor EQT zahlt gut EUR 1.4 Milliarden für die Sparte, die derzeit noch 40% des Bilfinger-Umsatzes ausmacht. Laut Marktgerüchten soll vor allem der Grossinvestor Cevian auf den Verkauf gedrängt haben. Der Bereich war mit einer operativen Rendite von 4.8% eine der wichtigsten Stützen des Konzerns. Künftig wird sich Bilfinger auf das Industriedienstleistungsgeschäft konzentrieren, welches in den vergangenen gut 1.5 Jahren unter dem Ölpreiszerfall und der damit verbundenen Investitionszurückhaltung litt. Zwar feierte die Börse den Verkauf. Aus unserer Sicht könnte sich dies jedoch als Pyrrhussieg herausstellen. Wir zweifeln daran, dass sich A) das Geschäft mit Industriedienstleistungen schnell erholt und B) dass Bilfinger die notwendige kritische Grösse hat, um am Markt langfristig zu bestehen.
Konklusion:
Der Verkauf der operativen Renditeperle des Konzerns ist aus unserer Sicht eine Art Todesstoss. Wir erachten den Restkonzern als zu klein, um langfristig zu überleben. Verkaufen!