
Das Börsenjahr 2018 verlief für den deutschen Bayer-Konzern katastrophal. Die Aktie des DAX-Unternehmens verlor im Jahresverlauf gut 50%, rund EUR 70 Milliarden an Börsenwert lösten sich in Luft auf. Seit Ende des vergangenen Jahres scheint der Ausverkauf gestoppt zu sein. Mehr als 10% konnte der Titel seit dem 27.12.2018 mittlerweile zulegen. Damit scheint der Aktie nach der monatelangen Talfahrt nun eine Bodenbildung zu gelingen.
Neues US-Gerichtsurteil verschafft Bayer Luft
Hauptantreiber für die jüngste Kursstabilisierung war ein Urteil im Zusammenhang mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat von Monsanto, durch welches die Sorgen vor milliardenschweren Klagen gegen den Konzern zumindest etwas verkleinert wurden. Das neue Gerichtsurteil hat die Messlatte für Glyphosat-Prozesse gegen Bayer deutlich erhöht. Denn das Gericht gab einem Bayer-Antrag statt, wonach die Anwälte zunächst alle möglichen anderen Ursachen für die Leukämie-Erkrankung ihrer Kläger als Grund der Erkrankungen ausschliessen müssen, bevor Glyphosat als Ursache benannt werden kann. In den USA liegen gemäss Schätzungen gut 9‘000 Schadenersatzklagen wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken gegen den Bayer-Konzern im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat vor. Grundsätzlich hat das neue Gerichtsurteil das Risiko für Bayer zwar nicht aus der Welt geschaffen. Aber es könnte helfen, die in der Öffentlichkeit teilweise sehr emotionale Debatte über Gypyhosat bzw. über die in den USA hängigen Klagen zu versachlichen. Allerdings muss sich Bayer dabei auch Kritik gefallen lassen und ist zu einem Teil selbst verantwortlich für die Emotionalität. Denn das Konzernmanagement hat es nicht nur unterlassen, dass ohnehin angeschlagene Image der übernommenen Monsanto aufzupolieren, sondern hat deren Verschleierungstaktik sogar übernommen. Es gab keine PR-Kampagnen, keine Aufklärungsversuche, fast keine offiziellen Statements des oberen Managements zum Stand der Dinge (Bayer führte lediglich im August 2018 eine Telefonkonferenz durch, CEO Werner Baumann meldete sich in einem mageren Interview zu Wort). So schafft man keine Transparenz und kein Vertrauen. Wenig überzeugend war auch Baumanns Auftritt am Kapitalmarkttag des Unternehmens im Dezember. Zwar kündigte der CEO ein grosses Sparprogramm an – bis 2022 sollen insgesamt EUR 2.6 Milliarden eingespart werden. 12‘000 Arbeitsplätze sollen dafür geopfert werden. Zudem stellte die Konzernführung eine steigende Dividenden und die Möglichkeit eines Aktienrückkaufs in Aussicht -ein Novum in der Konzerngeschichte. Punkto Glyphosat gab sich Bayer aber sehr wortkarg.
Schuldenberg und eine schwächelnde Pharmasparte
Uns reichen die Ankündigungen nicht. Das Glyphosat-Risiko mag durch das US-Gerichtsurteil zwar temporär kleiner geworden sein, ist aber weiter unverändert vorhanden. Auf den Konzern könnten im schlechtesten Fall milliardenschwere Schadensersatzzahlungen zukommen. Zudem sollte Bayer unseres Erachtens besser den durch die Monsanto-Übernahme angehäuften Schuldenberg reduzieren als die enttäuschten Aktionäre mit Dividendenerhöhungen oder Aktienrückkäufen bei Laune zu halten. Darüber hinaus sollte Bayer unserer Meinung nach besser in seine seit einigen Quartalen schwächelnde Pharmasparte investieren. Dieser fehlen seit einiger Zeit Forschungserfolge.
Konklusion:
Aufgrund des starken Kurszerfalls hatten wir die Aktie in Ausgabe 45/2018 auf „Halten“ heraufgestuft. Vor allem auf mittlere bis lange Sicht überzeugt Bayer derzeit aber nicht. Spekulative Investoren setzen kurzfristig auf eine Fortsetzung der Erholung. Für konservative Investoren besteht dagegen kein Handlungsbedarf.