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Bayer

12‘000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden, das alteingesessene Tierarzneigeschäft und mehrere Medikamenten-Marken sollen verkauft werden. Sparmassnahmen, die nötig sind, um dem Patienten Bayer wieder neues Leben einzuhauchen. Ausgerechnet in Wuppertal, dem Geburtsort (1863) des mittlerweile in Leverkusen ansässigen Konzerns, kommt es quasi zum Kahlschlag. Die erst 2014 in Betrieb genommene hochmoderne biotechnische Produktion wird eingestampft. Die Fertigung ist unrentabel. Es ist ein symbolischer Akt des Niedergangs bei Bayer.

Hausgemachte Probleme belasten Bayer
Die aktuellen Probleme nur auf die überteuerte Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto zu schieben, ist verfehlt. Die Akquisition und vor allem die möglicherweise milliardenhohen Rechtskosten in Zusammenhang mit den Glyphosat-Prozessen in den USA haben aber als Katalysatoren der Krise gewirkt. Es harzt im gesamten Konzern. Es sei die wohl schwierigste Phase der jüngeren Konzerngeschichte, heisst es von Kennern des Unternehmens. Die angekündigten Massnahmen sind u.E. letztlich das Eingeständnis, dass sich die Investitionen und Hoffnungen, die das damalige Management mit dem Gesundheitsgeschäft verbanden, in Luft aufgelöst haben. Ein zweistelliger Milliardenbetrag wurde in Arzneifirmen und Medizinprodukte gesteckt – ohne den erhofften Ertrag erzielt zu haben. Und die Pharmaforschung – darin sind sich fast alle Branchen- und Unternehmensbeobachter einig – kommt nicht vom Fleck. Am jüngsten Investorentag gab sich CEO Werner Baumann dennoch kämpferisch. Das Umsatzwachstum soll sich wieder beschleunigen. Im kommenden Jahr sollen die Erlöse um 4%, danach bis 2022 um 4% bis 5% steigen. 2022 sollen so EUR 52 Milliarden zustande kommen. 2018 dürfte sich der Umsatz auf gut EUR 44.6 Milliarden belaufen. Ambitioniert sind die Ertragspläne des Unternehmens: Das Ebitda vor Sonderposten soll jährlich um 9% ausgeweitet werden und 2022 bei EUR 16 Milliarden liegen (2018: EUR 11.5 Milliarden). Dies bedeutet, dass die Gewinnspanne binnen weniger Jahre um 30 Prozent steigen soll.

Notoperation darf nicht schiefgehen
Die angekündigten Sparmassnahmen und Verkäufe von Unternehmensteilen sollen vor allem auch dem Schuldenabbau dienen. Durch die Monsanto-Übernahme hat sich der Bayer-Netto-Schuldenberg auf die monströse Summe von EUR 36 Milliarden aufgetürmt. Dieser soll bis Ende 2022 auf EUR 26 Milliarden bis EUR 28 Milliarden gesenkt werden. Doch nicht nur die Schulden müssen abgebaut werden. Der Konzern muss sich insgesamt finanziell wetterfest machen. Die Pharmasparte bräuchte eigentlich frische Milliardeninvestitionen, um endlich einen Schritt vorwärts zu machen – von möglichen milliardenschweren Bussen und Rechtskosten im Zusammenhang mit den hängigen Glyphosat-Prozessen in den USA erst gar nicht zu sprechen. Fakt ist: Mit der USD 63 Milliarden schweren Übernahme des US-Saatgutherstellers hat Bayer sein komplettes trockenes Pulver verschossen. Die eingeleitete Notoperation bei Bayer darf daher nicht schiefgehen, sonst könnte der jüngst gesehene Kurszerfall erst ein Vorgeschmack auf noch düstere Zeiten gewesen sein. Die angekündigten Pläne und Restrukturierungen sind ambitioniert, aber durchaus erreichbar. Nun muss das Management beweisen, dass es genügend Ausdauer besitzt, um diese wie geplant umzusetzen. Es ist auch eine Frage des Vertrauens – denn dieses hat Bayer in den letzten Quartalen massiv verspielt.

Konklusion:
Wir erhöhen aufgrund des mittlerweile sehr tiefen Kursniveaus unser Rating auf „Halten“. Die vorgestellten Pläne des Unternehmens sind ambitioniert. Die Glyphosat-Prozesse hängen wie ein Damoklesschwert über Bayer.