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BASF

Eigentlich läuft beim weltweit grössten Chemiekonzern alles rund. Das Unternehmen wächst und schreibt ordentliche Gewinne – und die Aussichten sind ansprechend. Dennoch wird auf dem Handelsparkett derzeit eine Frage gestellt, auf die der designierte BASF-CEO Martin Brudermüller, der im Mai das Ruder übernimmt, eine Antwort geben muss: Muss BASF kleiner werden, um wertvoller zu sein? Hintergrund dieser Frage ist ein Branchentrend, der sich in den vergangenen 12 Monaten akzentuiert hat: Spezialisierung. Als Vorbild wird von Analystenseite dabei immer wieder auf den fusionierten Dow Chemical/DuPont-Konzern verwiesen. Der US-Konzern, der durch die Fusion BASF vorübergehend vom Thron als grössten Chemiekonzern stoss, will bis zum ersten Quartal 2019 den ersten Unternehmensteil abspalten. Bis Juni 2019 soll die Aufspaltung in drei Unternehmensteile dann komplett abgewickelt sein. Eine Blaupause für BASF, wie einige Branchenbeobachter meinen. Der noch amtierende BASF-Chef Kurt Bock hatte zwar erkannt, dass Grösse an sich kein Wert sei und dem herrschenden Fusionsfieber in der Branche eine Abfuhr erteilt. Doch eine Aufspaltung des Unternehmens, so unser Eindruck von Bock, wäre dem Manager dabei nicht in den Sinn gekommen. Das Verbundsystem des Ludwigshafener Konzerns ermöglicht, eine grosse Bandbreite von Chemikalien in der eigenen Wertschöpfungskette herzustellen – von chemischen Grundstoffen bis hin zu hochveredelten Produkten. Abfallprodukte oder überschüssige Energie aus einer Anlage dienen an anderer Stelle wieder als Einsatzstoff. BASF hat dadurch einen jährlichen Kostenvorteil von geschätzt rund EUR 1 Milliarde gegenüber den Wettbewerbern. Am Kapitalmarkt wird dieses Argument hingegen wenig berücksichtigt. Dort wird die Frage nach der optimalen Portfoliostruktur gestellt, da einige Sparten in der gegenwärtigen Verbundstruktur unterbewertet sind oder als eigenständige Einheit besser dastehen würde. Die Unternehmensberatung Boston Consulting kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass fokussierte Spezialchemieunternehmen höhere Aktienrenditen (Total Shareholder Return) für ihre Eigner erzielen als breit aufgestellte Chemieriesen. Fokussierung habe sich als der Unterscheidungsfaktor in der Chemiebranche herauskristallisiert und sei ein Gradmesser für den Erfolg eines Unternehmens. Wir gehen zwar nicht davon aus, dass BASF unter dem neuen CEO in seinen Grundfesten erschüttert wird. Aber Brudermüller dürfte den von Noch-CEO Bock eingeleiteten Weg der Strukturoptimierung fortsetzen. Margenstarke Geschäfte dürften weiter gestärkt werden, um die Profitabilität des Gesamtkonzerns zu verbessern, während wenig visible Geschäftssparten auf den Prüfstand kommen. Dies mag auf den ersten Blick nach einer zögerlichen Haltung des Managements klingen. Allerdings haben kleine bis mittelgrosse Veränderungen den Vorteil, dass die Risiken beherrschbarer sind.
Konklusion:
Es besteht aus unserer Sicht keine Notwendigkeit, den BASF-Konzern auseinanderzureissen. Wir würden eine Evolution in kleinen Schritten bevorzugen.