
Aktien von Chemie-Unternehmen sind in den Augen zahlreicher Anleger wenig sexy. Das Wachstum ist überschaubar, der Markt mehr oder weniger aufgeteilt und die Berichterstattung in den Medien beschränkt sich meist auf Unfälle oder Megafusionen. Aus unserer Sicht sind es aber gerade die vergleichsweise hohe Visibilität und Stabilität des Sektors, die ihn so interessant macht. Selbst für einen reifen Chemiemarkt wie Deutschland rechnet der Branchenverband VCI mit einem Produktionswachstum von 1.8% pro Jahr bis 2030. Noch besser sind die Aussichten für Asien und die USA. Die niedrigen Energie- und Rohstoffpreise ebenso wie die Aussicht auf Steuersenkungen oder Regulierungsabbau lassen beispielsweise ein Wachstum von 3.5% im Jahr 2017 in den USA durchaus realistisch erscheinen. Auch Analysten sind für die Branche zunehmend zuversichtlich: Die Deutsche Bank erwartet, dass die Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600 Chemicals die Gewinne im Jahr 2017, 2018 und 2019 im Schnitt um 8.1%, 9.3% und 7.1% steigern können. Auf Grundlage der für 2019 prognostizierten Gewinne werden Chemie-Titel derzeit mit einem KGV 2019 von 15 bewertet – womit die Titel nicht nur im langfristigen Vergleich, sondern auch gegenüber dem Marktdurchschnitt (KGV 2019: 13) mit einem Premium gehandelt werden.
Wir sehen derzeit drei Aktien, die mittel- bis langfristig noch reichlich Aufwärtspotenzial bieten: BASF, Celanese und Albemarle.
BASF: Der weltgrösste Chemieproduzent hat sich vom Megafusionsfieber in der Branche nicht anstecken lassen und kauft gezielt im mittleren und kleinen Bereich zu. Eine erfolgsversprechende Strategie, die sich im laufenden Jahr in wieder steigenden Umsätzen und einem deutlich besseren operativen Ergebnis widerspiegeln sollte. Wir erachten die bisherige Gewinnprognose des Unternehmens für 2017 für sehr konservativ. Wir sehen entsprechend ein hohes Potenzial für positive Überraschungen.
Celanese: Die ehemalige Bayer-Tochter muss eigentlich nicht viel mehr tun als die Prognosen der Analysten zu erfüllen, um die Aufwärtsbewegung der Aktie fortzusetzen. Denn gelingt es dem Anbieter von Materialien für die Chemie-, Farb- und Lackindustrie das Ergebnis pro Aktie auf USD 9.30 bis zum Jahr 2020 zu steigern, hätte die Aktie mit einem einstelligen KGV noch reichlich Luft nach oben.
Albemarle (USA): Wir hatten die Aktie bereits in Bezug auf die Aussichten im Lithiumsektor erwähnt (11/2017). Der Konzern hat vor wenigen Tagen die Nachfrageprognose für Lithiumcarbonat von 15‘000 bis 20‘000 Tonnen auf 35‘000 Tonnen im Jahr 2012 angehoben. Albemarle will die Hälfte des Wachstums des Lithiummarkts im nächsten Jahrzehnt auf sich vereinen. Vor diesem Hintergrund erscheint das gegenwärtig vergleichsweise hohe KGV in einem anderen Licht.
Konklusion:
Chemie-Aktien sind eine sehr interessante Anlageopportunität. Wir sehen bei BASF, Celanese und der amerikanischen Albemarle das grösste Aufwärtspotenzial.