
Die Kriegskasse des deutschen Chemieriesen ist prall gefüllt. In den vergangenen Jahren hat der Konzern sein Portfolio ausgedünnt und sich von einigen Konzernteilen getrennt. Kein Wunder wurde BASF als möglicher Kaufinteressent für den amerikanischen Agrarchemiekonzern Monsanto gehandelt. Doch anstelle sich in die Bieterrennen um die Amerikaner einzureihen, schlägt der deutsche Konzern beim US-Konzern Albemarle zu: Für USD 3.2 Milliarden kaufen die Ludwigshafener die auf Lacke spezialisierte Albemarle-Tochter Chemetall. Es ist die grösste Übernahme seit gut sechs Jahren. Dass BASF eher auf kleinere Übernahmen schielt, liess CEO Kurt Bock bereits an der Bilanzpressekonferenz durchblicken. Er bereitete die BASF-Aktionäre durch die Blume darauf vor, dass der Konzern nicht an Monsanto interessiert sei. „Es gibt immer diese Erwartung, es müsse etwas Großes und Bedeutsames passieren, das auch Eindruck macht. Wir schauen uns das sehr nüchtern an, um es deutlich zu sagen. Und nicht alles was schick und gross ist, ist unbedingt wertschaffend“, so der Konzernchef damals. „Der Zukauf passt“, so der Tenor vom Börsenparkett. Weltweit beschäftigt Chemetall rund 2500 Mitarbeiter und hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von USD 845 Millionen generiert. Das operative Ergebnis auf Stufe Ebitda lag, um Sondereffekte bereinigt, bei USD 205 Millionen. BASF erzielte in der Lack-Sparte „Coatings“ im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund EUR 3.2 Milliarden. BASF stärkt durch die Übernahme vor allem seine Position im Bereich Autos und Flugzeuge. Denn Chemetall stellt Chemikalien her, die Metalle vor dem Rosten schützen und etwa vor dem Lackieren von Autos oder Flugzeugen aufgetragen werden. Sofern die Übernahme nicht noch auf den Widerstand der Wettbewerbsbehörden fällt – wovon wir nicht ausgehen – ist BASF seinem mittelfristigen Ziel, den Umsatz mit der Autoindustrie jährlich um 5% auszubauen, einen grossen Schritt näher gekommen. BASF kauft sich einen margenstarken Lackspezialisten, der in den vergangenen Jahren mit einer jährlichen Wachstumsrate von im Schnitt 7% wuchs – das meiste davon organisch. Insgesamt stärkt BASF seine Position in der Autoindustrie. Unter dem Strich dürfte der Einfluss auf den Gesamtkonzern doch eher gering sein – ungefähr 1% des Gesamtumsatzes und zirka 2% beim Ebitda.
Konklusion:
Der Kauf passt – so lautet unser Fazit. Zwar ist der Einfluss auf den Gesamtkonzern eher gering, aber das Management beweist, dass es vor allem auf strategisch sinnvolle Übernahmen aus ist.