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Jahr 2022

ArcelorMittal

Die europäische Stahlindustrie ächzt unter den Überkapazitäten in China. Die Billig-Importe aus dem Reich der Mitte haben die Preise in die Knie gezwungen und belasten den gesamten Sektor. Das erste Quartal war auch für ArcelorMittal enttäuschend. Der Umsatz brach um ein Fünftel auf USD 13.4 Milliarden ein. Das Ebitda sackte um ein Drittel auf USD 927 Millionen ab. Immerhin konnte der Konzern den Nettoverlust deutlich eindämmen. Verbuchte ArcelorMittal vor Jahresfrist noch einen Verlust in Höhe von USD 728 Millionen, blieb das Minus von USD 416 Millionen im ersten Quartal 2016 in einem erträglichen Bereich. Viel wichtiger ist jedoch, dass der Konzern nach der Talfahrt in den vergangenen Quartalen nun wieder etwas optimistischer in die Zukunft blickt. Vor allem ortet ArcelorMittal in China leichte Entspannungszeichen. Dort soll der Nachfragerückgang weniger stark ausfallen als bisher erwartet. Der Verbrauch soll lediglich bis zu 1% zurückgehen. Arcelor hatte bisher mit einem Rückgang zwischen 0.5% bis 1.5% gerechnet. Global dürfte der Stahlverbrauch auf Jahressicht sogar leicht um 0.5% zulegen. Dass die Stahlpreise zuletzt wieder leicht stiegen, wird sich unserer Ansicht nach erst in den kommenden Quartalen in den Geschäftszahlen von ArcelorMittal niederschlagen. Für 2016 stellt ArcelorMittal einen Rückgang des Ebitda auf gut USD 4.5 Milliarden in Aussicht. Wegen der niedrigen Stahlpreise hatte der Stahlgigant 2015 einen Rekordverlust von USD 7.9 Milliarden verbuchen müssen. Der weltgrösste Stahlkocher kündigte daraufhin eine milliardenschwere Kapitalerhöhung an. Zudem sollen Beteiligungen verkauft und ein weiteres Elektrostahlwerk in Spanien dicht gemacht werden. Auch wenn der Branche das Wasser bis zum Hals steht, feiern zahlreiche Papiere seit Jahresanfang ein regelrechtes Comeback an den Börsen. So legte beispielsweise der Arcelor-Titel seit dem Jahreswechsel um über 50% zu. Wir erachten den Auftrieb an den Börsen für brüchig. Einerseits bleiben die massiven Überkapazitäten in China weiter ein Damoklesschwert über der Branche. Andererseits spiegelt sich unserer Ansicht nach in dem Aktienkursauftrieb vor allem die Hoffnung wider, dass die Europäische Union gegen die chinesischen Billig-Importe – zur Not in Form massiver Zollerhöhungen – vorgeht. Selbst für den Fall, dass sich die Lage in der Branche wie erhofft entspannt und sich die Geschäftszahlen von ArcelorMittal im Jahr 2017 deutlich verbessern, wird das Papier auf Basis unserer Schätzungen derzeit mit einem KGV 17 von fast 30 gehandelt – für einen im Turnaround befindlichen Stahlkocher eine sehr ambitionierte Bewertung.

Konklusion:
Wir erwarten, dass sich die Kurserholung kurzfristig fortsetzt. Dennoch raten wir von Investments ab. Auf dem gegenwärtigen Niveau preisen zahlreiche Aktien ein zu optimistisches Bild ein.