„Mir gefriert das Blut in den Adern, wenn ich das sehe.“ Mit diesen drastischen Worten lässt sich derzeit der technische Analyst Tom Fitzpatrick von der Citigroup beim Blick auf den amerikanischen Aktienindex S&P500 zitieren. Ähnlich dramatisch bewertet auch sein Kollege Murray Gunn von der HSBC die Lage am US-Markt. „Die dunklen Schatten von 1987 liegen über der Börse“, sagt er. Gemeint ist der grösste Börsencrash der Geschichte, der auch als „Black Monday“ in die Geschichtsbücher einging. Und tatsächlich: Wer den Kursverlauf zwischen Januar bis Oktober 1987 und den Kursverlauf seit Anfang 2016 bis dato übereinanderlegt, entdeckt eine frappante Deckungsgleichheit. Was gegenwärtig fehlt, ist der Absturz. 1987 nahm das Unglück Mitte Oktober seinen Lauf. Am 14. Oktober verlor der S&P500 fast aus dem Nichts heraus 3% – ein Schwung setzte sich in Gang, der am Montag, den 19. Oktober 1987 in einem Crash von 20% auf Tagesbasis gipfelte.
Zufall oder Vorbote eines Aktiencrashes?
Derzeit orten wir vier Faktoren, vier apokalyptische Reiter, die eine Wiederholung der Geschichte zumindest begünstigen könnten. 1. ein sprunghafter Anstieg der Inflation (siehe Seite 20), 2. ein unerwartetes Tapering der Geldpolitik in der Eurozone (siehe Seiten 12 und 16), den USA und Japan, 3. ein weiterer Spannungsaufbau zwischen Washington und Moskau, der einen Abbau der eingepreisten Friedensdividende auslösen würde und 4. die Rückführung amerikanischer Aktienbewertungen (KGV fast 20) auf historische Durchschnittswerte bzw. auf Levels, die dem Konjunkturbild in den USA angemessen sind. Als Brandbeschleuniger dürften im Rahmen einer Korrektur die automatisierten Handelssysteme wirken, die in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrfach ihr Beschleunigungspotenzial bewiesen haben.
Wohin könnte es im schlimmsten Fall im SMI gehen?
Sollten sich die düsteren Prognosen für den US-Markt bewahrheiten – wovon wir derzeit zwar nicht ausgehen, es aber auch nicht gänzlich ausschliessen wollen – droht weltweit ein verheerendes Börsenbeben. Der SMI könnte – aus technischer Sicht – im schlechtesten Fall massive Verluste verbuchen. In einer ersten Bewegung könnte der Index in grossen Schritten Richtung 6‘700 bis 6‘900 Zähler abrutschen, wo wir auf langfristige Sicht einen grösseren Widerstand orten. Sollte der Index dieses Niveau unterschreiten, könnte der Index in der Folge sogar bis in Richtung 5‘000 Punkte absacken. Vielleicht waren die heftigen Kursausschläge zu Beginn des Jahres 2016 nur ein Vorgeschmack auf das, was einige technische Analysten in Aussicht stellen.
Konklusion:
Technische Analysten von Citi und HSBC sehen derzeit eine frappante Übereinstimmung der derzeitigen Kursentwicklung mit 1987. Kommt nun der grosse Crash? Nein, aber es gibt Risiken!