
Wir haben die Aktie des amerikanischen IT-Konzerns Amazon über lange Zeit sehr kritisch gesehen. Uns hat vor allem die Investitionswut von CEO Jeff Bozos in allerlei mögliche und unmögliche Projekte verstimmt. Vor allem der sehr teure Ausflug in das Smartphonegeschäft ist uns nach wie vor in guter Erinnerung. Doch die zunehmende Kritik am CEO und seinem Führungsstil scheint Früchte zu tragen. Im zweiten Quartal verbuchte der Konzern erneut einen Gewinnsprung auf USD 857 Millionen – nach USD 92 Millionen im Vorjahreszeitraum. Damit wurde bereits im dritten aufeinanderfolgenden Quartal eine Bestmarke aufgestellt, insgesamt fünf Mal in Serie legte das Unternehmen aus Seattle schwarze Quartalszahlen vor. Insgesamt soll sich der Gewinn pro Aktie im laufenden Geschäftsjahr fast vervierfachen. Ermutigend ist zudem die Entwicklung des Cashflows. Im vergangenen Jahr lag der operative Cashflow bei fast USD 12 Milliarden, der freie Cashflow, also nach Investitionen, immerhin noch bei USD 5.5 Milliarden. Darüber hinaus hat Bozos seine Projektflut eingedämmt und forciert vor allem Projekte, die auch den Aktionären einen Mehrwert versprechen, wie beispielsweise das kostenpflichtige „Prime“-Abo, das Kunden ohne weitere zusätzliche Kosten Versandvorteile, einen Musik-, Film- und Serien-Streamingdienst, E-Books und einen Dienst für das digitale Aufbewahren von Fotos bietet. Auch der sog. „Dash-Button“ (ein „reales“ Gerät, das zum Beispiel an der Waschmaschine befestigt werden kann und auf Knopfdruck das entsprechende Produkt bei Amazon (Waschmittel) bestellt) oder das interaktive „Echo“-System (ein Lautsprecher beantwortet allgemeine Fragen zum Wetter, zu Verkehrsinformationen, zu persönlichen Terminen oder spielt Musik ab und kann auf Zuruf auch Bestellungen entgegennehmen) sind zukunftsweisend. Diese Entwicklung wird auch von Analysten mehr und mehr positiv bewertet – so hoben die Analysten von JP Morgan vor wenigen Tagen das Kursziel für die Aktie auf USD 1‘000 an. Wir müssen gestehen, dass wir den Konzern mitunter zu kritisch betrachtet haben und mit unserer Verkaufsempfehlung daneben lagen. Amazon ist – und daran gibt es kaum einen Zweifel – einer der grössten Gewinner der Digitalisierung und der Veränderungen des Kaufverhaltens der Konsumenten. Dennoch können wir die Euphorie rund um Amazon nicht vollumfänglich nachvollziehen. Denn letztlich ist Amazon vor allem ein Versandhändler – kein besonders innovatives Geschäftsfeld. Vor allem stört uns aber die Bewertung der Aktie. Zwar wächst Amazon weiter stark, doch letztlich muss unseres Erachtens die Profitabilität des Unternehmens deutlich steigen. Amazon ist dem Status eines Start-Ups längst entsprungen, was eine dreistellige KGV-Bewertung des Titels nicht mehr rechtfertigt. Amazon muss endlich den Aktionärsgedanken stärken.
Konklusion:
Wir kritisieren weiter den schwachen Aktionärsgedanken innerhalb des Managements sowie die hohe Bewertung der Aktie. Wir raten von Investments ab.