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Jahr 2022

Allianz

Der deutsche Versicherungskonzern hat – wie die gesamte Branche – an der Niedrigzinspolitik der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks zu knabbern. Zugleich verlieren die Versicherer an Preismacht – die Bereitschaft der Kunden, höhere Prämien zu zahlen, sinkt von Jahr zu Jahr. Umso wichtiger ist es, wie die Unternehmen diesem schwierigen Umfeld entgegentreten. Die Allianz kontert dies mit einer starken Digitalisierungsstrategie. 2014 investierte der Konzern erstmals in die Herausforderungen einer digitalen Welt – EUR 400 Millionen stellte die Konzernführung dafür bereit. Im laufenden Jahr sind es bereits EUR 650 Millionen, die im kommenden Jahr nochmals erhöht werden sollen. Dabei geht es derzeit vor allem darum, interne Prozesse zu optimieren und so die Kosten zu drücken. Gemäss Angaben am jüngsten Investors Day will der Versicherer dadurch bis 2018 den Gewinn um gut EUR 1 Milliarde ausweiten – EUR 800 Millionen sind bereits fest eingeplant.
Doch es geht bei der Digitalisierung nicht nur um Kostenoptimierung – es geht auch darum, dem Kunden näher zu kommen. So können Kunden über die Smartphone-App „Claims App“ beispielsweise Rechnungen per Foto einreichen, die dann automatisch ausgewertet werden. In Frankreich stellt der Konzern im Rahmen des Programms „Smart Home“ älteren Kunden ein Sensorarmband zur Verfügung, welches bei einem Unfall direkt die Angehörigen informiert. Darüber hinaus versucht der Konzern auch künftig eine führende Rolle in der Digitalisierung einzunehmen. Ab 2017 will die Allianz Start-Ups unterstützen, wofür der Fonds „Allianz X“ mit EUR 430 Millionen aufgelegt wurde. Die verschiedenen Projekte sind im Vergleich zu anderen Versicherern weit fortgeschritten, wodurch der Allianz eine Art „First Mover“-Effekt zukommt. Sie kann im Bereich der Digitalisierung in der Versicherungsbranche neue Massstäbe setzen.
Auch im „Hier und Jetzt“ überzeugt der Konzern auf operativer Ebene, wie die vor gut vier Wochen ausgewiesenen Zahlen für das dritte Quartal belegen. Wir gehen für das kommende Jahr von einem langsamen, aber stetigen Wachstum im tiefen bis mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Unser optimistisches Szenario stellt einen durchschnittlichen Gewinnanstieg pro Aktie in den kommenden drei Jahren von gut 5% in Aussicht. Neben dem potenziellen Wachstum sollten Anleger die ausgezeichnete Kapitalausstattung des Unternehmens berücksichtigen. CEO Oliver Bäte hat wiederholt bestätigt, dass die Allianz das Kapital an die Aktionäre zurückzahle, wenn es der Konzern nicht brauche. Rund EUR 2.5 Milliarden hatte die Allianz ursprünglich für Akquisitionen vorgesehen. Da der M&A-Markt in der Versicherungsbranche jedoch vergleichsweise flau ist, gehen wir davon aus, dass die Allianz die EUR 2.5 Milliarden für Aktienrückkäufe oder Sonderdividenden verwenden wird.
Konklusion:
Die Digitalisierungsstrategie von Allianz ist vielversprechend und im Vergleich zu Peers weit fortgeschritten. Zudem rechnen wir mit einem umfangreichen Aktienrückkaufprogramm. Kaufen!