
Wir hatten die Aktie des deutschen Versicherungskonzerns in Ausgabe 45/2016 zum Kauf empfohlen und den Titel in unser Mus-
terdepot aufgenommen. Nachdem sich der Aktienkurs bis Mitte Februar 2017 zunächst nur verhalten entwickelte, avanciert der Titel seitdem kräftig. Mittlerweile notiert Allianz über EUR 170 – der höchste Stand seit dem Jahr 2007. Die jüngst vorgelegten Q1-Zahlen waren en gros bereits bekannt. Positiv ist jedoch, dass die amerikanische Vermögensverwaltungstochter, die über Jahre gegen einen regelrechten Kundenschwund zu kämpfen hatte, endlich wieder neue Kunden anzieht. Die US-Tochter verbuchte mit USD 21 Milliarden die höchsten Mittelzuflüsse seit Anfang 2013, was sich auch im operativen Gewinn widerspiegelte. Dieser stieg auf Gruppenebene um knapp ein Viertel auf EUR 572 Millionen. Darüber hinaus profitierte der deutsche Versicherer von einer höheren Marge bei Kapitalanlagen in den USA, wodurch der Konzern in der Lebens- und Krankenversicherung operativ mit rund EUR 1.2 Milliarden gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor verdient. Insgesamt konnte die Allianz den operativen Gewinn um 9% auf EUR 2.9 Milliarden im ersten Quartal steigern. Auch punkto Kapitalausstattung kann der Versicherungskonzern überzeugen. Die Solvency II Position auf Gruppenebene belief sich auf starke 212% nach 209% Ende 2016.
Unter dem Strich verhagelten Sondereffekte das Ergebnis. Der Nettogewinn fiel um 15.3% auf EUR 1.8 Milliarden. Der Umsatz stieg um 2.5% auf EUR 36.2 Milliarden. Beide Zahlen hatte der Konzern an der GV vor gut zwei Wochen bereits mitgeteilt. Die endgültigen Zahlen für das erste Quartal belegen, dass der Allianzkonzern auf einem guten Weg ist, das angestrebte Ziel eines operativen Gewinns im Gesamtjahr in Höhe von EUR 10.3 Milliarden bis EUR 11.3 Milliarden zu erreichen.
Mit dem guten Ergebnis muss sich der Allianz-Konzern nicht vor der europäischen Konkurrenz verstecken. Bei der französischen AXA stagnieren die Geschäfte, während die italienische Generali die Krise bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia zu spüren bekam. Der Überschuss ging um 9% auf EUR 535 Millionen zurück. Was Akquisitionen betrifft, so scheint es Allianz angesichts der sehr hohen Preise nicht eilig zu haben. Zudem kommt mit Michael Diekmann ein Mann an die Spitze des Aufsichtsrates, der nach Informationen vom Handelsparkett kein Freund von Grossübernahmen ist. Diekmann, bis vor gut zwei Jahren CEO der Allianzgruppe, hatte bei seinem Amtsantritt die Scherben nach der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2001 zusammenkehren müssen.
Konklusion:
Der deutsche Versicherungskonzern hat überzeugende Zahlen vorgelegt. Wir empfehlen, die Aktie mit einem langfristigen Horizont von mindestens 12 Monaten zu kaufen.