
Es war erst der zweite Zahlenkranz, welchen Alcon nach der Abspaltung von Novartis den Aktionären präsentierte. Doch bereits jetzt kann Alcon beruhigende Zeichen aussenden: Die Wachstumsschwäche, welche unter dem Dach von Novartis den Alltag prägte, scheint mittlerweile überwunden. Der Umsatz wuchs im dritten Quartal 2019 organisch um 6% und damit nicht nur etwas stärker als der Gesamtmarkt, sondern auch stärker als von Analysten in Aussicht gestellt. Eine Entwicklung, die sich nun auch in den Wachstumserwartungen des Konzerns widerspiegelt. Denn neu rechnet Alcon damit, den Umsatz im Gesamtjahr organisch um 4% bis 5% ausweiten zu können. Bisher lag das untere Wachstumsziel bei 3%. Zugleich liess CEO David Endicott an einer Telefonkonferenz durchblicken, dass Alcon eher das obere Ende des Zielbands bei 5% organischem Wachstum anpeilt. Etwas skeptischer sind wir bezüglich der Margen-Entwicklung bei Alcon. So musste Alcon das geplante Ebit-Margen-Ziel für das Gesamtjahr minim nach unten anpassen. Neu erwartet das Unternehmen, eine Marge von 17% bis 17.5% erreichen zu können. Bisher lag das obere Zielband immerhin bei 18%. Doch ob Alcon das leicht abgesenkte Ziel überhaupt erreichen kann, erscheint uns alles andere als sicher. Denn die Historie zeigt, dass die Margen im vierten Quartal traditionell etwas bescheidener ausfallen. Erschwerend kommt hinzu, dass Alcon zur Erreichung der Zielmarke die Marge im Vergleich zum Vorjahr deutlich ausweiten müsste. All das erscheint uns doch recht ambitioniert und könnte am Ende für Enttäuschungen sorgen. Darüber hinaus fielen uns zwei weitere Entwicklungen negativ auf: Erstens kostet die Scheidung von Novartis deutlich mehr als bisher in Aussicht gestellt wurde. Statt der bisher prognostizierten USD 300 Millionen dürften sich die Scheidungskosten Ende Jahr auf USD 500 Millionen belaufen. Alcon führt die steigenden Kosten auf die IT und das Separieren der Fertigungsanlagen zurück. Zweitens setzt Alcon den Rotstift an und durchforstet den Konzern nach Ineffizienzen. Diese sollen ab 2023 jährliche Einsparungen von USD 200 Millionen bis USD 225 Millionen bringen. Allerdings fallen zunächst einmal Kosten in Höhe von USD 300 Millionen an, was auf die Profitabilität drückt. Immerhin will Alcon die durch die Effizienzsteigerungen frei werdenden Mittel in die Produktentwicklung und das Marketing investieren, um das Umsatzwachstum nachhaltig zu beschleunigen. Insgesamt hinterlässt Alcon ein durchwachsenes Bild. Positiv ist, dass die Wachstumsschwäche überwunden wurde. Negativ stösst uns hingegen die Kostenentwicklung auf. Wir stufen die Aktie aufgrund der verhaltenen Aussichten und des doch etwas trüberen Gesamtbildes auf „Halten“ zurück.
Konklusion:
Neu-Investments drängen sich nicht mehr auf. Anleger, die seit dem IPO bei Alcon investiert sind, halten an ihren Investments vorerst fest. Es braucht jedoch Geduld.