
Inflationssorgen erscheinen uns übertrieben
Noch ist die Sars-CoV-2-Pandemie nicht besiegt. Noch immer infizieren sich täglich unzählige Menschen mit dem neuartigen Coronavirus. Tausende Menschen sterben täglich. Aber die weltweit anlaufenden Impfkampagnen sind ein heller werdendes Licht am Ende des Tunnels. Das Re-opening der Wirtschaft, welches in kleinen Schritten nun beginnt, macht Hoffnung, dass die Welt im Laufe des Jahres zu einem normalen Leben zurückfindet. Dies drückt sich auch in den steigenden Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft aus. Der Einkaufsmanager-Index (PMI) für die Schweizer Industrie stieg beispielsweise im Februar saisonbereinigt zum Vormonat um 1.8 Zähler auf 61.3 Punkte. Dies ist der höchste Stand seit August 2018. Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2020 – auf dem Höhepunkt der Krise – war dieser auf 41.2 Zähler regelrecht in sich zusammengebrochen. Auch in Deutschland steigt die Stimmung in den Firmenzentralen, wie der jüngste Ifo-Geschäftsklimaindex bewies. Und in den USA nimmt der Konjunkturaufschwung bereits spürbar an Fahrt auf. Der jüngste Arbeitsmarktbericht für Februar überraschte positiv. Zudem ist das amerikanische Konjunkturpaket in Höhe von USD 1.9 Billionen auf der Zielgeraden. An den Aktienmärkten herrscht trotz des sich aufhellenden Umfelds gegenwärtig ein wenig Katerstimmung. Sind die aufgegleisten staatlichen Hilfsprogramme nicht zu viel des Guten, droht eine konjunkturelle Überhitzung? Droht eine sich deutlich beschleunigende Inflation? Müssen die Notenbank daher mitunter viel früher die Zinsen anheben als erwartet? Doch was wären die Alternativen? Würden die Staaten ihre Stützungsprogramme zurückfahren – aus Angst eine Überhitzung der Wirtschaft auszulösen – wären die langfristigen Folgen wahrscheinlich verheerend. Die Pandemie hat ganze Wirtschaftszweige regelrecht zerstört – Hotels, Gastronomie oder die Reisebranche sind die wohl prominentesten Opfer der Krise. Würden die Hilfsprogramme zu klein ausfallen, könnte dies irreparable Schäden in der Wirtschaft verursachen, deren langfristigen wirtschaftlichen Kosten massiv wären und die eine Abwärtskaskade auslösen könnten. Hinzu kommt, dass die aufgegleisten Programme einen breiten Ansatz verfolgen und daher auch einkommensschwache Haushalte profitieren werden. Zur Erinnerung: Ex-US-Präsident Donald Trump feierte sich für seine massiven Steuersenkungen für Unternehmen und hohe Einkommensklassen, was die Aktienmärkte beflügelte. Nur die unteren Einkommensklassen profitierten in keiner Weise. Dass die Inflation in den kommenden Monaten anzieht, scheint angesichts dessen tatsächlich wahrscheinlich. Aber die regelrechte Hysterie, welche sich aktuell deswegen an den Märkten ausbreitet, erscheint uns masslos übertrieben. Mit Instrumenten der Geldpolitik und auch mit Fiskalpolitik kann man effizient eine sich beschleunigende Inflation im Zaun halten – ohne gleich die Zinsen erhöhen zu müssen.
Konklusion:
Wir fokussieren uns auf die positiven Aspekte: Die Konjunkturerholung nimmt Fahrt auf und die Stützungsprogramme werden der Wirtschaft in der Breite helfen. Eine steigende Inflation ist angesichts dessen ein kleines, wahrscheinlich nur temporäres Opfer. (red/mda)