
Die erwartete Zwischenkorrektur nimmt Fahrt auf
Jerome Powell, Chef der amerikanischen Notenbank Fed, hat der seit Ende März dieses Jahres laufenden Börsenparty vorerst ein Ende gesetzt. Die überbordenden Wachstumsfantasien, welche in den vergangenen Wochen in die Aktienkurse eingepreist wurden, sind nicht gerechtfertigt. 2020 dürfte die US-Wirtschaft um 6.9% schrumpfen. Powell sprach von erheblichen konjunkturellen Risiken. Die Gesundheitskrise sei der grösste wirtschaftliche Schock, an den man sich erinnern könne. Auch der Hoffnung auf eine schnelle, V-förmige Konjunkturerholung schob er einen Riegel vor. Denn für 2021 erwartet das Fed nur ein Wachstum von 5%. Damit deutet sich eher eine nur langsame U-förmige Konjunkturerholung an. Auch die düstere Lage auf dem Arbeitsmarkt werde man nicht so schnell verbessern können. Entsprechend dürften die Zinsen auf Jahre hin an der Null-Linie kleben. Zusätzlich steigt vor allem in den USA die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle. Denn in einigen Bundesstaaten stiegen nach den ersten Lockdown-Lockerungen die Neuinfektionen wieder an. Es muss damit gerechnet werden, dass einige Städte oder Bundesstaaten einige Corona-Einschränkungen wieder hochfahren werden, hiess es auf dem Börsenparkett. Das Fed hat mit ihren Ausführungen die Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, die ihrerseits die Flucht aus dem Markt antraten. Der Dow Jones Index, der S&P 500 und auch der Nasdaq verloren am Tag nach der Fed-Sitzung zwischen 5% und 7%. Es waren die grössten Tagesverluste seit März. Anleger sollten trotz des neuen Realismus nun nicht in Panik verfallen. Nach der überschwänglichen Börsenparty seit Mitte März ist eine Korrektur überfällig, worauf wir in den vergangenen Wochen mehrfach hingewiesen haben. Zwar kann bei einigen gut gelaufenen Positionen darüber nachgedacht werden, die Gewinne zu realisieren. Wir sind aber überzeugt, dass die mittel- bis langfristigen Aussichten für den Aktienmarkt gut bleiben – auch wenn die Konjunktur länger braucht, um sich vom Corona-Schock zu erholen. Einerseits ist derart viel Kapital im System, welches seinen Weg an die Aktienmärkte finden wird – die sog. Liquiditätsrallye. Andererseits besteht weiter die Hoffnung, dass die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Sars-Cov-2 gut vorankommt und vielleicht noch in diesem Jahr mit der Produktion begonnen werden kann, womit auch die Furcht vor neuen Infektionswellen abnehmen dürfte. Wir sehen aktuell keinen deutlich erhöhten Handlungsdruck – sofern die sich anbahnende Zwischenkorrektur die Marke von 10% bis 15% nicht überschreitet. Erste Gewinnmitnahmen haben wir aber vollzogen. Wir gehen davon aus, dass eine Konsolidierung vor allem attraktive Kauf-Levels generieren wird.
Konklusion:
Anleger sollten Ruhe bewahren und nicht in hektisches Umschichten verfallen. Setzen Sie Stop-Loss-Limiten konsequent um. Die Zwischenkorrektur wird attraktive Kauf-Levels generieren.